Meinung : Soziale Notwendigkeit für Kinder

„Berlin spart sich fast die Hälfte aller Spielplätze“ vom 4. August

Die Berliner Spielplatzberichte zeigen, dass es seit Jahrzehnten eine Unterversorgung gibt. Damit verstoßen der Berliner Senat und die Bezirke gegen die UNO Kinderrechtskonvention. Zeitungsberichten zufolge schneidet Berlin auch bei der kinderfreundlichen Gestaltung der Stadt im Vergleich zu Hamburg, Frankfurt und München immer schlechter ab. Diese Städte haben erkannt, welche Bedeutung öffentliche Spielplätze für die Attraktivität des Wirtschaftsstandortes haben. Der Bedarf an jungen, gut ausgebildeten Fachkräften in allen Regionen wächst stetig – diese will der Senat gerne in Berlin ansiedeln. Deshalb sind öffentliche Spielplätze keine soziale Wohltat an einer Minderheit, die man folgenlos vernachlässigen kann, sondern ein Element der Standortattraktivität.

Die Unterversorgung hat auch soziale und finanzielle Folgen für das Land. Parlamentshaushälter wissen, es kommt den Landeshaushalt teuer zu stehen, wenn es für Kinder und Jugendliche keine Orte gibt, an denen sie – ohne Betreuung – die wichtigen Regeln des Zusammenlebens lernen können. Auf öffentlichen Spielplätzen „arbeiten“ sich Kinder und Jugendliche in unserer Gesellschaft hinein – spielerisch.

Teuer wird es, wenn Kinder und Jugendliche die Sprache der Umgebung nicht aufnehmen, keine Toleranz gegenüber dem Eigenen und dem Fremden erfahren, nicht lernen, miteinander auszukommen, Verlieren zu ertragen, die eigenen Aggressionen zu beherrschen und sich zu vertragen. Das lernt jedes Stadtkind auf öffentlichen Spielplätzen, wenn diese vorhanden, erreichbar und intelligent ausgestattet sind.

Die Gesellschaft bezahlt schon die Folgen mit unendlich vielen Sprachförderkursen, Wachen vor von Gewalt gefährdeten Schulen, Kinder- und Jugendkriminalität in Parallelgesellschaften und Polizeieinsätzen an Schulen.

Stephan Riegger, Berlin-Westend

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