Meinung : Sozialistische Mathematik

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Alles klar: Die Berliner WASG entscheidet sich in einer Urabstimmung dagegen, mit der Linkspartei zusammen in Berlin Wahlkampf zu machen – und deren Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch preist das Abstimmungsergebnis als „Sieg der Vernunft“. Alles klar? Bartsch hat gerechnet. Weil an der Berliner Urabstimmung gerade drei Viertel der rund 860 Politsektierer teilgenommen haben und von diesen drei Vierteln immerhin 46,5 Prozent mit der Linkspartei zusammengehen wollen, redet der Real-Sozialist die Zukunft der Links-links-Fusion schön.

Aber gut – Vormänner der Linkspartei haben das gleiche Recht auf verbogenes Denken wie WASG-Führer. Die wiederum haben die Linkspartei ideologisch längst überholt und als „neoliberal“ entlarvt. Gemeint ist damit die in Berlin mitregierende Linkspartei. Wenn die neoliberal ist, dann ist Berlin das Fürstentum Monaco.

Wenn aber Teile der Berliner Wählerschaft so wirr wählen wie Bartsch und andere Funktionäre des Sozialistensammelsuriums reden, wird es knapp für Rot-Rot. In den Meinungsumfragen kommen SPD und Linkspartei nicht mehr automatisch auf über 50 Prozent. Es wird dann – wir sind in Berlin – wohl immer noch für eine linke Mehrheit reichen; die Grünen sind noch da. Doch wer an die Finanzklage und das Großprojekt Flughafen denkt, will eine stabile Regierung. Stabile Regierungen sehen anders aus als Rot-Rot-Grün.

Noch bizarrer könnte sich die Lage der Linkspartei-WASG auf der Bundesebene entwickeln. Im Bundestag ist verbunden, was in Berlin gegeneinander antreten will. Das wird Wahlkampfwirrnisse zur Folge haben, die ans Psychotische grenzen. Von den juristischen Verwicklungen zu schweigen: Es gibt zwei gegensätzliche Meinungen zu der Frage, ob im Bundestag Fraktion bleiben darf, was in Landtagswahlkämpfen gegeneinander streitet. Womöglich wird die linke Bundestagsfraktion Gegenstand einer juristischen Auseinandersetzung. Wunderbare Aussichten für die Demagogen Oskar Lafontaine und Gregor Gysi. Die Berliner WASG aber sollte sich, um ihre Zukunft zu sichern, vom Senat als Religionsgemeinschaft anerkennen lassen.

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