Meinung : Späte Einsicht

AMERIKAS STRATEGIEWECHSEL IM IRAK

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Amerikas Neuorientierung in der Irakpolitik war überfällig. Zu sehr hatte sich Washington in die Idee verliebt, aus der vormaligen SaddamDiktatur eine Vorzeigedemokratie zu machen. Bestehende staatliche Strukturen wie die Armee hatten die USA aufgelöst, sie wollten überall bei Null anfangen. Dies war ein Fehler, und das hat Präsident Bush jetzt eingesehen. Er hat dabei wohl mehr auf Meinungsumfragen in den USA gehört als auf die Iraker. Denn die hatten, ebenso wie viele Europäer, schon seit Monaten einen klaren und zügigen politischen Zeitplan zur Übergabe der Regierungsmacht an die Iraker gefordert. Es ist es bitter, dass die USA erst unter dem Druck von Terroristen, die wahllos US-Soldaten, UN-Mitarbeiter, Rot-Kreuz-Helfer und irakische Zivilisten in die Luft sprengen, umdenken. Seit dem raschen militärischen Sieg im Mai hat Amerika viele kostbare Sympathien im Irak und in der Region verspielt. Aber besser eine späte Korrektur als gar keine. Der jetzt vorgelegte Zeitplan wird die Gewalt nicht sofort stoppen können. Es wird womöglich zu Auseinandersetzungen zwischen den politischen Lagern im Irak kommen. Aber der Ansatz ist richtig: eine repräsentative Volksversammlung, die von Irakern wenn schon nicht gewählt, so doch auf regionaler Ebene bestimmt wird; und die Übergabe der Macht an eine Interimsregierung. Die Amerikaner sollten sich jedoch nicht in die politische Neuordnung einmischen. Um das sicherzustellen, könnten die Vereinten Nationen die Aufsicht beim Aufbau der neuen Institutionen übernehmen. Sonst wird auch diese zweite Chance zur Befriedung Iraks verspielt. Es könnte die letzte sein. an

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