Meinung : Später mehr

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In der Bibel ist Ninive ein Ort der Bosheit, dessen Zerstörung Gott sich wünscht. Diesmal war es umgekehrt, es lag in der Hand der sunnitischen Provinz Ninive, die neue Verfassung des Iraks zu zerstören: Zwei der 18 irakischen Provinzen hatten sie schon abgelehnt, die dritte hätte die Verfassung für das gesamte Land zu Fall gebracht. Dazu ist es, um Haaresbreite, nicht gekommen. Der lange Kampf um das Dokument ist damit zu Ende, die Annahme ein großer Erfolg für die weitere Zivilisierung des Iraks. Dass die Verfassung viele wichtige Fragen – wie die Verteilung der Bodenschätze – noch offen lässt und sich das nächste Parlament mit deren Beantwortung beschäftigen muss, ist kein fauler Kompromiss. Der amerikanische Vorschlag, die ungelösten Streitpunkte später zu lösen, bindet die Sunniten enger in den politischen Prozess ein. Ihnen ist nun ein Weg aufgezeigt, den Widerstand gegen einen vornehmlich von Kurden und Schiiten ausgearbeiteten Verfassungstext politisch zu formulieren. Wollen sie an der Verfassung noch etwas ändern, müssen sie ins Parlament – und können die Wahlen nicht wie beim letzten Mal boykottieren. mos

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