Sparpläne : Empfänger unbekannt

Die Deutsche Post streicht 15.000 Arbeitsplätze in den USA. Ein überzeugendes Konzept gibt es jedoch nicht.

Corinna Visser

Das war eine teure Fehlentscheidung: 7,5 Milliarden Euro hat die Deutsche Post in den vergangenen Jahren in ihr defizitäres Amerika-Geschäft gesteckt. Nun zieht sie die Notbremse. Das Express-Geschäft innerhalb der USA will die Post- Tochter DHL einstellen. Die Entscheidung wird 15 000 DHL-Mitarbeiter in Amerika den Arbeitsplatz kosten. Und damit nicht genug: Wie viele tausend Stellen zusätzlich bei Subunternehmern wegfallen werden, ist noch offen.

Der seit Februar amtierende Vorstandschef Frank Appel zieht endlich Konsequenzen und streicht die hochfliegenden Pläne seines Vorgängers Klaus Zumwinkel zusammen. Zumwinkel stand 18 Jahre lang an der Spitze des Unternehmens. Immer wieder wurde er als hervorragender Wirtschaftsführer ausgezeichnet – unter anderem als Manager des Jahres. Auch Politiker vertrauten seinen Fähigkeiten und machten ihn zum Aufsichtsratschef der Telekom, als es dort brannte. Im Februar musste Zumwinkel als Post-Chef abtreten. Er steht im Verdacht, Steuern hinterzogen zu haben. Nun bröckelt auch sein Ansehen als erfolgreicher Unternehmenslenker.

Mit zahlreichen Akquisitionen machte Zumwinkel aus der Deutschen Post einen weltweit agierenden Logistikkonzern. Dazu forderte er in den USA auch die Lokalmatadoren UPS und Fed-Ex heraus. Und trotz der stetig fließenden Gewinne aus dem heimischen Briefgeschäft ist Zumwinkel in den USA gescheitert. Die hiesigen Wettbewerber werfen der Post angesichts der Verluste im US-Geschäft Missmanagement auf Kosten der deutschen Steuerzahler vor. Immerhin gehört die Post noch zu 31 Prozent dem deutschen Staat. Die Amerikaner sehen das naturgemäß anders: Auch sie werfen der Post Missmanagement vor – allerdings auf Kosten der dortigen Arbeitnehmer. Nun ist die Post wie Daimler ein weiteres Beispiel für das kläglich gescheiterte Engagement eines deutschen Konzerns in den USA.

Einen definitiven Schlussstrich unter das Amerika-Geschäft zieht der neue Vorstandschef Appel jedoch nicht. Zumwinkel hatte immer betont, dass man starke Standbeine sowohl in Europa als auch in den USA und Asien haben müsse, um als globaler Logistikdienstleister agieren zu können. Daran glaubt Appel offenbar immer noch, sonst müsste er sich wohl gänzlich aus den USA zurückziehen.

Stattdessen setzt Appel nun auf eine Kooperation mit UPS. Mit diesem Vorhaben sind viele Fragezeichen verknüpft: Wie soll ein solches Abkommen mit UPS aussehen – einem Unternehmen, mit dem DHL im Rest der Welt in knallhartem Konkurrenzkampf steht? Und: Was werden die amerikanischen Kunden dazu sagen? Schon jetzt haben die bereits im Mai angekündigten Stellenstreichungen in den USA für eine schlechte Publicity gesorgt. Viele Kunden haben ihre Transporte daher lieber der Konkurrenz anvertraut. Hinzu kam die Unsicherheit, ob und wie es denn mit DHL weitergeht. Und diese Unsicherheit bleibt – jedenfalls, solange es keine Einigung mit UPS gibt.

Appel muss bei der Lösung des US-Problems aufs Tempo drücken, denn die Aufgabe wird nicht leichter: Sein Vorgänger hat das US-Geschäft nicht einmal in den Griff bekommen, als die Weltwirtschaft noch brummte.

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