SPD im Wahlkampf : Die Brüller

Die Lage bei der SPD wirkt unübersichtlich. Eigentlich aber ist klar, was gerade in der Parteiführung passiert: Diejenigen, die die Führung übernehmen wollen, positionieren sich. Miteinander, gegeneinander, wie es passt. Dadurch entsteht der Eindruck eines Tohuwabohus.

Ein Kommentar von Stephan-Andreas Casdorff

Wie kann das lebendige Durcheinander aufgehoben werden? Durch Führung. Zur rechten Zeit.

Im Einzelnen: Die SPD hat einen Vorsitzenden, der kein Mandat im Bundesparlament hat und sich zwischen seinen Amtspflichten in Rheinland-Pfalz als Ministerpräsident und seinen Pflichten in Berlin aufreibt. Als Vorsitzender müsste Kurt Beck jetzt auf den Putz hauen, das kann er aber nicht; dazu wirkt seine Position gegenwärtig zu schwach. Es würde ihm somit öffentlich niemand den starken Mann glauben und intern kaum einer folgen. Wer und wie viele, weiß man in der Öffentlichkeit jedenfalls nicht.

Die anderen, die Anwärter, die Bewerber, können auf den Putz hauen, müssen es geradezu, um an der eigenen Karriere zu arbeiten, die Steinmeiers und Gabriels. Dazu haben diese beiden Sozialdemokraten Ressorts in der Bundesregierung, die ihnen sowohl höchste öffentliche Aufmerksamkeit garantieren als auch Chancen. Der Außenminister, Frank-Walter Steinmeier, ist schon von Amts wegen beliebt, der Umweltminister, Sigmar Gabriel, kann angesichts der deutschen Angst vor Atom und Klimawandel wenig falsch, sich sogar beliebt machen, wenn er beim Ausstieg bleibt.

Auch wenn es weit hergeholt erscheint, ein wenig ist die Lage Becks wie die von Angela Merkel vor ihrer Kanzlerschaft. Zum einen war Merkel vor 2005 ähnlich abgeschlagen in den Sympathiewerten bei der Bevölkerung wie jetzt gerade Beck. Zum anderen fanden in der Union die sogenannten Kronprinzen, dass sie es besser könnten. Das denken offenkundig bei Beck jetzt auch die Steinmeiers und Gabriels; wer ihre Interviews genau liest, liest das zwischen den Zeilen. Interessant ist übrigens, dass von Peer Steinbrück, der als Finanzminister erfolgreich ist, der noch zusätzlich der einzige Vetominister im Bundeskabinett ist, also vom Papier her ein wirklich starker Mann der Regierungs-SPD, hier keiner redet. Steinbrück ist, was Humor und Ausstrahlung betrifft, augenscheinlich einfach zu norddeutsch. Will sagen: Er wirkt zu kühl, zu schnodderig, wie „Schmidt light“. Und das geht in der Partei gerade nicht.

Zurück zu Steinmeier und Gabriel. Der eine sagt nicht, was er wirklich will, der andere sagt, was er will, und zwar in jeder Hinsicht. Beides ist nicht wirklich gut. Steinmeier ist ein Profi, fraglos, aber nach der Agenda 2010 noch nicht mit großen Konzepten hervorgetreten. Zumindest sind dem Wähler keine erinnerlich. Bei Gabriel ist es eine Sache der Disziplin und eine Frage der Zeit, wann in ihm wieder der Generalist hervorbricht, oder anders: der unterbrochene Regierungschef. Eine „Rampensau“, die in der SPD ja wohl auch gerade gesucht wird, ist er. Aber, und da trifft er sich mit Steinmeier: Beide haben noch keine große Wahl gewonnen. Und darum, Wahlkampf zu führen und zu gewinnen, geht es ihnen doch, oder?

Dagegen Beck. Der hat viele Wahlkämpfe gewonnen. Er kann hier aber nur gewinnen, wenn er die Nerven behält. Was gewinnen heißt? Respekt gewinnen. Für inhaltliche, verlässliche Führung. Gewählt wird nämlich in erster Linie die Partei. Der Kandidat kann dann sogar, wie 1998, einer wie Gerhard Schröder sein.

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