SPD in der Krise : Schwarz sehen

Die SPD steckt in der Krise. Wenn sie Volkspartei bleiben soll, brauchen die Genossen einen Plan. Die Blicke richten sich als Erstes auf Steinbrück – aber danach sofort auf Hannelore Kraft. Sie muss stärker in den Wahlkampf einsteigen

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Peer Steinbrück: Wird er Kanzlerkandidat bleiben?
Peer Steinbrück: Wird er Kanzlerkandidat bleiben?Foto: dpa

Es ist ein Jammertal, das die SPD gegenwärtig durchschreitet. Und ein Ende ist nicht in Sicht. Immer noch tiefer hinein geht es. 23 Prozent, da steht die Partei jetzt demoskopisch, tiefer als bei ihrem tiefsten Bundestagswahlergebnis. So ist es vor der Niedersachsen-Wahl. Soll die Zeit danach dazu führen, dass das Jahr 2013 zum schwärzesten ihrer bundesrepublikanischen Geschichte wird?

Schwarz sehen: Das passt auch deshalb als Bild, weil die Schwarzen, die von der Union, gerade in einer Weise in Bund und Land aufkommen, dass den Roten angst und bange werden muss. Und wenn dann noch die FDP in Hannover die fünf Prozent schafft, wenn damit Schwarz-Gelb die Wiederwahl schafft – was kommt dann noch?

Es rast der See und will sein Opfer – das kommt dann. Peer Steinbrück ist und bleibt Kanzlerkandidat, sagt einer der tonangebenden Niedersachsen auf Bundesebene: Das gilt vorerst bis Sonntagabend. Gewinnt Rot- Grün, bleibt er’s. Verliert Rot-Grün – dann muss die SPD-Führung aufpassen, dass die Partei nicht die Fassung verliert. Denn die sich dann ausbreitende Vorstellung, als gestalterische Kraft der deutschen Politik siech zu werden, wirkt nicht eben auf alle mobilisierend.

Parteitag: Steinbrück erreicht die Herzen der SPD
Es war sein Tag: Mit überragender Mehrheit wurde Peer Steinbrück auf dem vergangenen SPD-Parteitag zum Kanzlerkandidaten seiner Partei gewählt. Mit ihm will die SPD im kommenden Jahr zurück an die Macht kommen, denn: Es sei "Zeit für einen Wechsel".Weitere Bilder anzeigen
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10.12.2012 10:07Es war sein Tag: Mit überragender Mehrheit wurde Peer Steinbrück auf dem vergangenen SPD-Parteitag zum Kanzlerkandidaten seiner...

Drei Aufbaujahre hatten dazu geführt, dass die SPD zwischenzeitlich Ergebnisse von 28 bis 30 Prozent verzeichnete. Umfragen sind noch keine Stimmen, aber drei schwierige Monate haben gereicht, die drei besseren Jahre vergessen zu machen. Und alles hat damit angefangen, dass ein Niedersachse aus der Troika die Zeit bis nach der Niedersachsen-Wahl nicht mehr abwarten, sondern die Kandidatenentscheidung vorzeitig herbeiführen wollte. Wäre es nicht doch einfacher gewesen, nach einem Wahlsieg mit der Speerspitze anzugreifen? Vorbei. Das lässt sich nicht zurückholen. Und jetzt sollen sie in der SPD wirklich keinen Plan B haben, für den Fall der Fälle?

Das ist der Plan: In der Krise findet das Rettende sich auch. Die Blicke richten sich als Erstes auf Steinbrück – aber danach sofort auf Hannelore Kraft. Ohnedies muss sie stärker in den Wahlkampf einsteigen. Denn es gilt zu retten, was zu retten ist: die SPD als Volkspartei. Noch einmal 23 Prozent verkraftet sie nicht.

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