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SPD-Kanzlerkandidat : Steinbrück hat sich nicht im Griff

05.01.2013 06:45 Uhrvon
Der selbstverliebte Herr Steinbrück - so sieht das zumindest unsere Kolumnistin Hatice Akyün. Foto: dpaBild vergrößern
Der selbstverliebte Herr Steinbrück - so sieht das zumindest unsere Kolumnistin Hatice Akyün. - Foto: dpa

Peer Steinbrück ist sich selbst sein größter Feind - immer wieder legt er ein selbstverliebtes Verhalten an den Tag. Dabei wären Millionen Deutsche auf eine bessere Regierung angewiesen.

Kennen Sie das, wenn jemand selbst sein größter Feind ist und sich in seinen eigenen Dämon verwandelt? Der Schriftsteller Robert Louis Stevenson hat dieses Phänomen in „Dr. Jekyll and Mr. Hyde“ aufgegriffen. Es ist die Geschichte des angesehenen Arztes Dr. Jekyll, der sich von Zeit zu Zeit mit der Hilfe eines geheimnisvollen Tranks in den abgründigen Mr. Hyde verwandelt. Im Lauf der Geschichte verliert Dr. Jekyll die Kontrolle über seinen Doppelgänger, er kann nicht mehr beeinflussen, welcher Teil seiner Persönlichkeit gerade in Erscheinung tritt.

Aber was will ich damit sagen? Nun, es gibt Menschen, denen es offenbar nicht gegeben ist, ihre Dämonen zu unterdrücken, um sich einer Aufgabe ganz zu stellen.

So einer ist auch SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück. Er scheint so programmiert, dass er nur der sein kann, der er eben gerade ist. Manch einer nennt das authentisch oder echt. Aber auch an einer klaren Kante kann man sich den Kopf blutig stoßen, wenn man immer und immer wieder auf dieselbe Stelle knallt.

Computernetzwerke, bei denen sich jeder an allem bedienen kann, werden in der Fachsprache witzigerweise „Peer to Peer“ genannt. Im Gegensatz zu den Client-Servern, bei denen jeder nur auf das zugreifen kann, was nach Absprache frei verfügbar ist. Ist das noch Ironie oder hat da jemand den Knall nicht gehört, weil er glaubt, es wären schon Salutschüsse seiner Inthronisation?

Willy Brandt, Helmut Schmidt, Hans-Jochen Vogel, Johannes Rau, Rudolf Scharping, Gerhard Schröder und Frank-Walter Steinmeier, sie alle kandidierten für die SPD. Nur drei von ihnen schafften es bis ins Kanzleramt, die anderen kämpften mehr oder weniger aussichtslos. Wer für die älteste deutsche Partei um das höchste Wahlamt antreten darf, ist etwas Besonderes. Steinbrück vermittelt aber bis jetzt den Eindruck, es ginge gar nicht um Deutschland, sondern ausschließlich um ihn und die Ausstattung des Amtes, das er notgedrungen bereit wäre anzunehmen, sofern man die Stelle seiner herausragenden Persönlichkeit entsprechend alimentiert.

Hatice Akyün ist Autorin und freie Journalistin. Sie ist in Anatolien geboren, in Duisburg aufgewachsen und in Berlin zu Hause. Foto: promoBild vergrößern
Hatice Akyün ist Autorin und freie Journalistin. Sie ist in Anatolien geboren, in Duisburg aufgewachsen und in Berlin zu Hause. - Foto: promo

Übrigens, Angela Merkel hat keinen Frauenbonus. Frauen wählen sogar Männer, wenn sie nicht gerade ein selbstverliebtes Verhalten an den Tag legen und uns nicht als Wählerklientel sehen, sondern unsere Lebenssituationen ernst nehmen. Angela Merkel hat einen entscheidenden Vorteil: Ihr ist jedes Gegockel der politischen Männerkaste fremd. Sie kräht ihre Widersacher nicht mit Allüren vom Hof. Sie schafft, wenn nötig, einfach Fakten. Und der Kandidat? Der versteckt hinter seinem kleinbürgerlichen Größenwahn und seiner hektischen Körpersprache seinen Mangel an Empathie.

In Deutschland leben Millionen von Menschen, die auf eine bessere Regierung angewiesen wären. Und eine Partei, die sich „sozial und gerecht“ auf die Fahnen geschrieben hat und die so einen ins Kanzler-Rennen schickt, macht sich mitschuldig. Oder wie mein Vater sagen würde: „Bin nasihatten bir musibet yegdir“ – eine böse Erfahrung bringt mehr als tausend Ermahnungen.

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