SPD-Kanzlerkandidaten : Sigmar Gabriel sucht seine Chance

06.08.2012 10:53 Uhrvon
Die SPD-Troika: Peer Steinbrück, Sigmar Gabriel und Frank-Walter Steinmeier. Einer der dreien soll Kanzlerkandidat der SPD werden. Foto: dapd
Die SPD-Troika: Peer Steinbrück, Sigmar Gabriel und Frank-Walter Steinmeier. Einer der dreien soll Kanzlerkandidat der SPD werden. - Foto: dapd

SPD-Chef Sigmar Gabriel gilt in der Suche nach einem SPD-Kanzlerkandidaten als abgeschlagen. Mit Banken-Bashing, Reichensteuer und der Forderung nach gemeinsamer Schuldenhaftung schlägt er jetzt eine neue Richtung ein: ins linke Herz der SPD. Und der gefällt das.

Dieser Mann hat keine Chance. Und er schickt sich an, wenigstens diese zu nutzen. Sigmar Gabriel, SPD-Chef und Mitglied der sozialdemokratischen Kanzlerkandidatenfindungs-Troika, gilt als der Mann mit den wenigsten Erfolgsaussichten im Kampf um die Spitzenkandidatur der SPD für die Bundestagswahl 2013. Bis Februar will sich die Partei Zeit lassen, ehe ihr Kandidat offiziell ernannt werden soll, damit der bei einer möglichen Wahlniederlage zuvor in Niedersachsen nicht gleich die erste dicke Schramme abbekommt.

Derzeit werden Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier die besten Chancen zugesprochen.

Er gilt vielen Genossen als idealer Kompromiss, weil der Dritte im Bunde, Ex-Finanzminister Peer Steinbrück, in der Partei nicht wohlgelitten ist und sich auch in den Umfragen nicht so deutlich von Steinmeier absetzen kann, dass an ihm kein Weg vorbeiführen würde.

Gabriel wiederum liegt in diesen Umfragen abgeschlagen dahinter. Aber in der Partei hat er sich mittlerweile als Vorsitzender ein gutes Standing erarbeitet. Und das vor allem mit einem Argument. „Er trifft unseren Nerv“, sagen viele Sozialdemokraten. Und genau diese Karte spielt er. Vielleicht will er seine Partei verführen, ihr Herz erobern, auch wenn am Ende wohl der Verstand bei den Sozialdemokraten in Form von Steinmeier obsiegen könnte. Aber er festigt damit seine Position.

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Für Gabriels Verhältnisse arbeitet er derzeit konstant daran, den sozialdemokratischen Lieblingsbegriff der „Sozialen Gerechtigkeit“ von seiner Inhaltsleere zu befreien und etwas aufzupeppen. Erst hat er die Banken gescholten für ihren maßgeblichen Beitrag zur Krise, dann hat er sich mit einem Aktionsbündnis verbündet und fordert eine andere Lastenverteilung in Deutschland, um es am Ende auf die Formel zu bringen: „Wir brauchen mehr sozialen Patriotismus in Deutschland.“ Nun folgt der nächste Schachzug in die linke Richtung. Mit den Intellektuellen Jürgen Habermas, Julian Nida-Rümelin und Peter Bofinger hat er sich zusammengesetzt und die drei gebeten, den Anstoß zur Programmdebatte zu liefern. Das haben sie getan und unter anderem eine gemeinschaftliche Haftung für die Schulden aller Euro-Staaten gefordert. Den Ball hat Gabriel auch direkt aufgenommen und kurzerhand in der "Berliner Zeitung" einen Strategiewechsel in der Euro-Politik angedeutet. Nun ist es nicht so, dass Steinmeier und Steinbrück einige der inhaltlichen Punkte nicht auch teilen würden, aber in der Vehemenz wie Gabriel tritt keiner der beiden auf.

Vieles davon, da haben seine Kritiker recht, ist populistisch. Aber es ist auch populär – insbesondere in seiner eigenen Partei. Der Trend im Rennen um die Kanzlerkandidatur mag derzeit nicht Gabriels Genosse sein. Aber bis Februar ist noch viel Zeit. Und zu verlieren hat der SPD-Chef nichts. Im Gegenteil. Er macht sich mindestens immer mehr zum Königsmacher.

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