SPD-Linke : Angela Marquardt will die "Vernetzung aller Linken stärken“

Angela Marquardt war früher Vizechefin der PDS. Jetzt kämpft sie in der SPD-Linken.

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Angela Marquardt
Angela MarquardtFoto: picture-alliance/ dpa

Das hätte sie sich vor zehn Jahren nicht träumen lassen. „Wohl eher verständnislos“ hätte sie damals jemanden angeschaut, der ihr vorgeschlagen hätte, zur SPD zu kommen, sagt Angela Marquardt. Nun will sie dort aufsteigen als Vorsitzende der Parteilinken, die sich im „Forum Demokratische Linke 21“ organisiert haben. Amtsinhaber Björn Böhning, Ex-Juso-Chef und Leiter des Planungsreferats bei Klaus Wowereit, wird bald Vater und gibt den Posten ab. Marquardt ist bisher eine von vier Vizechefs.

Geboren in Mecklenburg-Vorpommern, trat sie nach der Wende zunächst in die PDS ein, für die sie auch in den Bundestag zog. In den 90er Jahren war sie stellvertretende Vorsitzende der SED-Nachfolgepartei, trat allerdings 2002 aus Ärger über den Kurs der Partei aus. Vor fünf Jahren stellte sie sich in die Dienste der SPD, wurde 2008 Mitglied. Böhning unterstützt die Kandidatur. Mit Blick auf die PDS-Vergangenheit von Marquardt sagt er: „Das zeigt, dass auch solche Leute bei uns Fuß fassen können – und sollen.“ Zu den Förderern der inzwischen 40-Jährigen mit Punk-Frisur zählt auch SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles. 2006 stellte sie Marquardt in ihrem Bundestagsbüro an. Später wurde Marquardt Geschäftsführerin der SPD-Denkfabrik, in der sich junge Bundestagsabgeordnete vernetzt haben und auch Kollegen von Grünen und Linkspartei treffen. In ihrer Bewerbung rät Marquardt der SPD, ihre Bündnisstrategie selbst zu bestimmen. Man solle mit anderen Parteien in einen „konstruktiven Dialog“ treten. Das betrifft die Grünen, aber eben auch die Linke. Den Kontakt zu Spitzenpolitikern wie Gregor Gysi und Dietmar Bartsch hat Marquardt gehalten. Anderen, wie Oskar Lafontaine, hielt sie „mangelnde Differenzierungsfähigkeit“ vor. Letztlich aber werde ein „so interessantes Projekt“ wie ein Linksbündnis im Bund wohl „nicht an einer Person scheitern“, sagte sie 2009.

Nicht allen passt die geplante Marquardt-Karriere. Hilde Mattheis, baden-württembergische Bundestagsabgeordnete, geht gegen sie ins Rennen, entschieden wird am 27. November. Marquardt ist zuversichtlich zu gewinnen. Nicht nur mit der geplanten „Vernetzung aller Linken in und um die SPD“, sondern auch mit der Ankündigung, das nächste SPD-Regierungsprogramm aktiv mitzugestalten. Das sollen die Genossen auch als Absage an Peer Steinbrück lesen. „Der Kanzlerkandidat muss zu einem Programm passen“, erklärt sie.

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