SPD und Sarrazin : Anstiftung zur Ablenkung

Thilo Sarrazin beschreibt zwar Probleme richtig, verhindert aber mit Schlüsselbegriffen der extremen Rechten bewusst eine rationale Debatte. Damit schädigt der Sozialdemokrat fortwährend seine Partei.

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Ein Mann der polarisiert: Thilo Sarrazin
Ein Mann der polarisiert: Thilo SarrazinFoto: dpa

Wenn Thilo Sarrazin dort wäre, wohin ihn seine Gegner wünschen, also in der NPD oder der DVU oder in einer rechtspopulistischen Partei, dann könnte er sagen, was er wollte: Kaum jemand würde sich darum kümmern.

Aber Sarrazin ist nun mal in der SPD, und deshalb wird jetzt, da ein Buch vom ihm über die Selbstabschaffung Deutschlands mittels Zuwanderung von Muslimen erscheint, wieder ein wenig über seine Thesen gesprochen, aber eben viel mehr darüber, ob diese für die Sozialdemokratie erträglich sind. So sicher wie man darauf wetten kann, dass der ehemalige Finanzsenator und heutige Banker es nicht beim Geldzählen belässt, so sicher ist die Empörung vieler seiner Parteifreunde.

Provokation und Reaktion ist hier ein Musterbeispiel für destruktive Politik. Indem Sarrazin mit Schlüsselbegriffen der extremen Rechten spielt, vom deutschen Volkscharakter fabuliert, sich als „SPD-Politiker“, der er nicht mehr ist, vermarkten lässt (-Mitglied wäre richtig), verhindert er bewusst in der SPD eine rationale Beschäftigung mit den Problemen, die er richtig beschreibt. Eine Anstiftung zur Ablenkung – das ist das Parteischädigende seines Verhaltens.

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