SPD und Union : Was Kraft macht

Nach dem Nein der Grünen lastet der Beweisdruck nun auf den Sozialdemokraten: Lässt sich als Juniorpartner der Union die eigene Identität mit der Kompromissnotwendigkeit vereinbaren? Am Sonntag tagt der Konvent.

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Sie weiß, wie's geht. Aber weiß er auch, ob sei weiß, was richtig ist?
Sie weiß, wie's geht. Aber weiß er auch, ob sei weiß, was richtig ist?Foto: dpa

Es gibt auch edle Steigbügelhalter. Sie sind aus hochwertigem Leder, der Karabinerhaken ist massiv. Den Reiter freut’s, denn herunterhängende Steigbügel sind lästig und gefährlich. Doch immer bleiben diese kleinen Dinger, was sie sind, nützlich zwar, aber Steigbügelhalter. Dieses Wort diktiert jetzt zunehmend die Dynamik der Sondierungs- und späteren Koalitionsgespräche. Kein potenzieller Partner der Union will eben das sein – Steigbügelhalter. Die Grünen haben die Konsequenz daraus gezogen und die Angst um die eigene Identität über die Versuchung zur Machtteilhabe gestellt. Das heißt: Fortan lastet der Beweisdruck, beides vereinbaren zu können – Identität und Macht –, allein auf der SPD. Allerdings gibt es auch unter den Genossen so manchen und manche, der/die das Bundeskanzleramt erobern und Angela Merkel weg haben wollte, was ja mithilfe von Linken und Grünen sogar möglich wäre. Hannelore Kraft etwa, die Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen, weiß genau, wie’s geht. Ihr kommt daher auf dem Parteikonvent der SPD am Sonntag eine Schlüsselrolle zu. Schwenkt sie mit überzeugenden Argumenten auf die große Koalition ein, könnte das Lieblingskind der Deutschen Realität werden. Tut sie’s nicht, entscheidet ihr Ich über das Wir an der Spitze der Partei.

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