SPD : Wenn die Bellheims kämen

Alter wird relativ. Darum schauen so viele auf Münte. Schaut wer auf Schröder? Stephan-Andreas Casdorff über die Hoffnung der Sozialdemokratie.

Stephan-Andreas Casdorff

W itzig ist das schon, dass die Linke irgendwie wohl Angst hat vor der Rückkehr des Münte. Angst, denn Respekt wollen wir lieber nicht sagen. Als ob sie ihm nichts entgegenzusetzen hätte … Hat sie aber doch. Sie hat Andrea Nahles, schon vergessen? Die hat Franz Müntefering geschafft, und das würde sie auch jetzt wieder, in der Partei, wohlgemerkt, nicht in der Öffentlichkeit.

Was ein großer Unterschied ist. In der Öffentlichkeit gilt Müntefering als der Sozialdemokrat schlechthin. Man stelle sich mal das Wahlkampfplakat vor: Das strenge, wie aus Stein gemeißelte Müntefering-Gesicht, darunter der Slogan „Knorrig, aufrecht, sozialdemokratisch“. Klingt wie ein Programm. Und ist auch seines, egal, ob er wieder richtig „operativ“ tätig wird oder nicht. Darum demnächst sein Buch mit dem „Blick nach vorn“: Weil Müntefering zu dem steht, was er in der Vergangenheit gewollt hat, weiß er, was die SPD jetzt wollen soll, eine Agenda 2015, 16, 17 ff. Ob sie das will? Das entscheidet die Linke. Aber ein hochpolitischer Vorgang ist das allemal. Er könnte die Partei sogar beinahe wieder spannend machen.

Politik ist, richtig verstanden, kein Gesangverein Harmonie. Hat der CDU-Linke oder auch Traditionschristdemokrat, Heiner Geißler immer schon gesagt. So eine richtige Debatte, womöglich eine mit Argumenten für und wider, wäre doch reizvoll. Jedenfalls für eine Programmpartei, wie die SPD immer sein will, ein Hort des Fortschritts. (Die Union kommt hinterdrein, wenn es sich wählermäßig lohnt.) Ja, und mittenmang Münte als Neo-Programmatiker, wer hätte das gedacht, als Schröder-II, Agent der Agenda.

Ach, wo wir gerade dabei sind: Hier hätte sich Gerhard Schröder das Gold, das sein Bild im Kanzleramt umrahmt, verdienen können. Wenn er nicht Cash vor Politik gestellt hätte, dann würden seine Worte als „Elder Statesman“ mehr gehört. Stattdessen schaut die Mehrheit skeptisch auf ihn, und sagt er auch etwas Richtiges, Bedenkenswertes, denken doch alle zuerst: jaja, der „Elder Salesman“.

Das ist der Unterschied zu Müntefering, dem Nachfolger im Parteivorsitz, auf dessen Rückkehr manche warten, aber alle achten, und Helmut Schmidt, dem Vorvorgänger als Kanzler. Der ist ein alter Staatsmann, keine Frage. Schade um Schröder. Denn die Bellheims der Sozialdemokratie können alle mithelfen, den Laden wieder flottzumachen. Eppler macht den Anfang. Und wo Müntefering doch Rente mit 67 durchgesetzt hat und bald alle vermutlich noch länger arbeiten müssen, weil die Gesellschaft immer älter wird, ist das mit dem Alter inzwischen relativ. Joe Biden oder John McCain in Amerika – diese Entwicklung kommt in Deutschland auch noch an.

Die Alten sind auch klarer, härter im Umgang mit dem politischen Gegner. Bestimmt wird Müntefering „klare Kante“ machen gegen „Die Linke“, die in der anderen Partei. Das hat seinen Reiz, so oder so. Ob die Linke davor Angst hat? Vielleicht. Dann hätten die anderen wenigstens Respekt.

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