Spiel mit der Insolvenz : Geld schießt Tore

Aber nicht immer schießt das meiste Geld die meisten Tore. Sonst wäre der BVB nicht vor den Bayern Meister geworden und diese nicht im Champions-League-Finale gelandet. Dort wird es zum Duell zweier Wirtschaftsmodelle kommen.

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Weniger Geld, mehr Erfolg: Seit zwei Jahren ärgern die Dortmunder erfolgreich die Bayern
Weniger Geld, mehr Erfolg: Seit zwei Jahren ärgern die Dortmunder erfolgreich die BayernFoto: dapd

Für die Fußball-Bundesliga ist gerade eine beruhigende Saison zu Ende gegangen – nur die Anhänger von Hertha BSC können noch nicht endgültig beruhigt sein. Geld schießt Tore, das gilt zwar immer noch, aber die Befürchtung, dass immer das meiste Geld die meisten Tore schießt, hat sich zum Glück nicht bestätigt. Sonst hätte Dortmund nicht das Kunststück schaffen können, zweimal hintereinander dem FC Bayern die Meisterschale wegzuschnappen. Die Dortmunder sind belohnt worden für ihren doppelt guten Umgang, den mit dem Ball und den mit dem Geld.

Dass nun Dortmund der neue Vorzeigeklub der Bundesliga ist, unterstreicht das Tempo im Fußball. Erst vor wenigen Jahren stand der BVB am wirtschaftlichen Abgrund. Er hatte viel zu viel Geld ausgegeben. Irgendwann wird doch etwas zurückkommen, und wenn es keine Einnahmen sind, dann eben Titel, so hatten die Verantwortlichen bei der Borussia gedacht. Denn das ist das Besondere am Profifußball: Er arbeitet mit zwei Währungen – Geld und Erfolg. Der frühere Vorstandsvorsitzende des Hamburger SV, Bernd Hoffmann, hat das Ziel eines Profiklubs treffend zusammengefasst: Größtmöglicher Erfolg bei gleichzeitiger Vermeidung der Insolvenz.

Die Insolvenz war für Dortmund in bedrohliche Nähe gerückt, nur ein Sparkurs hat den Klub wieder nach vorne gebracht. Es mag für die Dortmunder eine besondere Genugtuung sein, den Ruhrgebietsrivalen Schalke wieder hinter sich gelassen zu haben. Denn Schalke steht für Schuldenfußball wie Dortmund noch vor einigen Jahren.

Die Abkehr vom Maßlosen würde in der Bundesliga allerdings schnell wieder infrage gestellt, wenn die internationale Wettbewerbsfähigkeit darunter litte. Der europäische Fußball-Verband Uefa hat zwar ein „Financial Fair Play“ eingeführt. Einnahmen und Ausgaben sollen in vernünftiger Relation zueinander stehen. Sonst drohen Strafen. Nur muss sich dieses System erst einmal beweisen.

Aber – und auch das gehört zu den beruhigenden Nachrichten dieser Saison – der FC Bayern München hat es ins Finale der Champions League geschafft. Er hat sich sogar gegen Real Madrid durchgesetzt, über das der Münchner Vereinspräsident Uli Hoeneß sagte, Real hätte mehr Schulden als die ganze Bundesliga zusammen. Dementsprechend erregt reagierte Hoeneß, als auf einmal von einem Schuldenschnitt für spanische Klubs durch die Regierung die Rede war. Seine Aussage dazu gehört zu den Sätzen der Saison: „Da zahlen wir denen Hunderte von Millionen, damit sie aus der Scheiße kommen, und dann sollen die Vereine die Schulden erlassen kriegen?“

Schulden haben auch Bundesligaklubs, aber sie kennen noch die Stellen vor dem Komma. Im Gegensatz zu anderen europäischen Ligen stemmt sich die Bundesliga auch dagegen, Vereine von Investoren übernehmen zu lassen und damit zum Spielzeug anderer zu werden. Auch wenn Bayer in Leverkusen, VW in Wolfsburg und Dietmar Hopp in Hoffenheim Fälle an oder jenseits der Grenze sind.

Das Finale der Champions League in zwei Wochen wird auch ein Wettbewerb verschiedener Wirtschaftsmodelle. Das Festgeldkonto des FC Bayern spielt gegen den vom russischen Ölmilliardär Roman Abramowitsch gekauften FC Chelsea. Geld wird wieder Tore schießen. Doch die Vereine der Bundesliga bestimmen immer noch selbst mit welchem Geld.

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