Meinung : Spiel mit hohem Einsatz

Weil immer mehr Geld bei Wetten umgesetzt wird, braucht der Fußball neue Regeln

Friedhard Teuffel

Fußballspiele werden gerne mit Kriminalfilmen verglichen, weil sie ähnlich lang sind und oft genauso spannend. Dieser Vergleich hat jetzt eine zusätzliche Bedeutung bekommen, denn bei mehreren Spielen stand wohl mitten unter 22 Fußballern ein Betrüger unerkannt auf dem Platz – der Schiedsrichter. Mit seiner kriminellen Energie soll Robert Hoyzer Mannschaften zum Sieg verholfen haben, auf die er zuvor selbst gewettet hatte. Der eigentliche Gewinner wollte er selber sein.

Hoyzer hat den deutschen Fußball in seiner Glaubwürdigkeit erschüttert und den Verband aus seiner Selbstherrlichkeit gerissen. Die Funktionäre machen der Öffentlichkeit oft weis, dass der Fußball besser sei als der Rest der Welt. Der Fußball sei eine Charakterschule. Es verwundert daher nicht, dass die spontanen Reaktionen auf diesen Fall ebenfalls moralische sind. Ein Ehrenkodex wird gefordert und eine bessere charakterliche Eignungsprüfung für Schiedsrichter.

Mit solchen Maßnahmen wäre Hoyzer kaum vom Manipulieren abgehalten worden, sofern er denn schuldig ist. Den charakterlichen Nachweis hätte er schon irgendwie erbracht, zumal sein Vater ebenfalls Schiedsrichter war. Die einzige Funktion, die ein Ehrenkodex erfüllen würde, wäre die, Normen festzuschreiben. Bisher ist es Schiedsrichtern nicht einmal verboten, auf Spiele zu wetten, die sie selber leiten. Bei einem Wettverbot bliebe einem Betrüger zwar ausreichend Möglichkeit, über Mitwisser Geld zu setzen. Aber es wäre immerhin ein Symbol. Angestellte sind schließlich auch von den Preisausschreiben ihrer Firma ausgeschlossen.

Mit einem Wettverbot würde der Deutsche Fußball-Bund (DFB) vor allem die gestiegene Bedeutung der Wetten im Sport anerkennen – einschließlich der Gefahren. Allmählich nähert sich dieses Geschäft in Deutschland den Ausmaßen, die es beispielsweise in England schon lange annimmt.

Der Verband hatte lange die Augen davor verschlossen. Als sich in der Zweiten Bundesliga im Dezember die Fußballspieler von Rot- Weiß Oberhausen gegen Erzgebirge Aue mit einem Eigentor und einem fahrlässig verschuldeten Elfmeter in die Niederlage stürzten, sah der DFB keinen Anlass zu einer gründlichen Prüfung. Dabei hatten Buchmacher den DFB auf die ungewöhnlich hohen Wetteinsätze für dieses Spiel hingewiesen und die Begegnung zuvor selber von ihren Wettscheinen genommen.

Diesmal hat der DFB schneller reagiert, wohl auch aus Angst, noch mehr Vertrauen zu verlieren. Ein manipulierender Schiedsrichter ist schlimmer als ein korrupter Verbandsfunktionär. Er macht das Spiel kaputt.

Ist Hoyzer ein Einzelfall? Da sollte sich der Fußballverband nicht zu sicher sein. Die Versuchung, also der mögliche Gewinn, ist hoch genug, dass ihr auch andere noch erliegen könnten oder schon erlegen sind.

Der Verband, der sich so ungern beraten lässt, wird nun auch die Hilfe der Buchmacher in Anspruch nehmen müssen. Sie haben schon vor einiger Zeit angeboten, eine Art Frühwarnsystem einzurichten und den Verband unmittelbar vor dem Spiel zu informieren, falls es rätselhaft hohe Einsätze auf einen Sieg des Außenseiters geben sollte. Dies wäre die pragmatische Konsequenz aus dem Fall Hoyzer.

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