Meinung : „Spiele, als wärst du morgen tot“

Henrik Mortsiefer

Der „Terminator“ meldet sich zurück. Im Alter von 89 Jahren will US-Milliardär Kirk Kerkorian noch einmal ins große Geschäft einsteigen. Wieder ist es die Autoindustrie, die dem Investor, dessen Vermögen auf 15 Milliarden Dollar geschätzt wird, keine Ruhe lässt. 4,5 Milliarden Dollar will Kerkorian für Chrysler ausgeben. Das teilte die nach seinen Töchtern Tracy und Linda benannte Investmentfirma Tracinda jetzt mit. Über den Verkauf der verlustbringenden US-Sparte von Daimler- Chrysler wird spekuliert. Kerkorian bleibt seinem Motto treu: „Arbeite, als würdest du ewig leben – spiele, als wärst du morgen tot.“

Fast alles hat der in Fresno, Kalifornien, geborene Enkel armenischer Einwanderer im Geschäftsleben schon hinter sich. Er kaufte und verkaufte Fluggesellschaften, eröffnete das erste Megahotel in Las Vegas, stieg dreimal beim Hollywood-Studio MGM ein und aus und machte Milliarden als Casinobetreiber. Autos aber übten auf den eleganten Senior mit Pokerface die größte Faszination aus.

Käme Kerkorian nun bei Chrysler zum Zuge, würde sich ein Kreis in seiner Biografie schließen. An Chrysler hat sich der reiche Rentner schon ein paarmal aufgerieben. Vor elf Jahren scheiterte Kerkorian bei dem Versuch, den Konzern zusammen mit dem berühmten Automanager und Ex-Chrysler-Chef Lee Iacocca für 20 Milliarden Dollar zu übernehmen. Stattdessen ging das US-Unternehmen die Fusion mit Daimler-Benz ein. So sehr Kerkorian dies gekränkt haben mag, gelohnt hat es sich für den cleveren Finanzjongleur allemal: 3,5 Milliarden Dollar kassierte er damals beim rechtzeitigen Verkauf seines Aktienpakets.

Erfolgreich spekuliert hat Kerkorian mit Autoaktien immer: 100 Millionen Dollar verdiente er 2006 bei einem anderen Autodeal. Überraschend stieg er im Dezember bei General Motors (GM) aus – obwohl er zuvor so viele Anteile gesammelt hatte, dass man schon von „Kerkorian Motors“ gesprochen hatte. Mit dem Abschied von GM verstummten die Gerüchte, Kerkorian betreibe im Hintergrund die Fusion von GM, Renault und Nissan.

Hinter den Kulissen hat sich der Spekulant, der dreimal verheiratet war, immer gerne aufgehalten. In den Klatschspalten der Boulevardzeitungen findet sich wenig über Kerkorian. Er könne mit seiner Freundin ins Kino gehen, ohne erkannt zu werden, sagte er einmal. Das große Theater überlässt er der Börse. Sie bejubelte Kerkorians Angebot für Chrysler mit einem Kurssprung.

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