Meinung : Spielerei mit der Zeit

„Die Stunde der FDP“ vom 23. März

Das Los des Kolumnisten ist ein lausiges. Einerseits soll er immer witzig sein, soll das Zeitgeschehen glossieren und darf dabei auch gern mal belehrend 'rüberkommen. Unterläuft ihm dagegen selbst einmal ein Fehler, dann wird ihm das postwendend aufs Butterbrot geschmiert. Das ist ärgerlich. Aber es muss sein. Wer austeilt, muss auch einstecken können. Also, Herr Schümann, wie war das noch mit der Zeitumstellung im Frühjahr? Die Uhr wird vorgestellt, soweit richtig. Um genau eine (1) Stunde, stimmt auch. Die Minoriten vom liberalen Unorden haben vielleicht doch noch ihr großes Wahlkampfthema gefunden, d'accord. Aber wie läuft das nun mit den Zügen? Im Prinzip nicht anders als beim Angestellten: Wer nicht (nach Winterzeit) früher aufbricht, kommt (nach Sommerzeit) mindestens eine Stunde zu spät an. Und genau Letzteres passiert bei der Bahn: Eine frühere Abfahrt kommt aus Gründen der Kundenbindung eher nicht infrage. Daher haben Züge, die über die frühjährliche Sprungstelle im menschlichen Raum-Zeit-Gefüge hinweg verkehren, unweigerlich (dafür aber fahrplanmäßig) eine Stunde Verspätung. Warum sollte man sie also noch eine zusätzliche Stunde irgendwo in der Ecke herumstehen lassen? Das „macht“ keinen Sinn, und das macht selbst bei der Deutschen Bahn niemand.

Nichtsdestotrotz fällt dieses Phänomen im Einzugsgebiet der DB AG kaum auf. – Und das nicht etwa, weil wir längst darauf konditioniert sind, eine Stunde Verspätung als normal mit einzukalkulieren. Nein, um diese Zeit fährt einfach kaum etwas. Vom Zeitsprung betroffen sind hauptsächlich die CityNightLine-Züge – und die sind kurioserweise „pünktlich“. Wie das? Nun, diese Züge haben von vornherein soviel Spielraum im Fahrplan, dass sie in dieser Nacht ausnahmsweise mal eine Stunde weniger durch die Gegend trödeln dürfen.

Im Übrigen freue ich mich mit Ihnen auf längere Abende und werde in der ersten Zeit den Wecker verfluchen.

Leo Schwarz, Berlin-Friedrichshain

Es ist ja nicht die vorerst „geklaute“ Stunde, sondern dass wir Frühaufsteher „diskriminiert“ werden, weil wir wieder im Dunkeln aufstehen müssen. Party lässt sich doch auch viel besser bei entsprechender Beleuchtung machen (im Dunkeln ist gut munkeln). Also weg mit dieser nicht einmal wirtschaftlich einträglichen Spielerei. An die Zeitumstellungsfans: Habt Mut zur Rückkehr zur Normalzeit, ohne dass ihr der FDP damit 18 Prozent plus beschert.

Joachim Kurz, Berlin-Steglitz

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