Spitzensport-Förderung : Bernd Strauß: Gesicht für das Schreckgespent

Als Leiter der Potas-Kommission entscheidet Bernd Strauß künftig über Fördergelder im Spitzensport. Viele Freunde wird er sich damit nicht unbedingt machen.

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Bernd Strauß (Mitte) mit Bundesinnenminister Thomas de Maiziere (l.) und DOSB-Präsident Alfons Hörmann.
Bernd Strauß (Mitte) mit Bundesinnenminister Thomas de Maiziere (l.) und DOSB-Präsident Alfons Hörmann.Foto: dpa/Gambarini

Ein Wortungetüm ist es auf jeden Fall, ein Schreckgespenst für viele deutsche Sportler auch. Das sogenannte Potenzialanalysesystem, kurz Potas. Es soll bei der Neustrukturierung des Spitzensports in Deutschland eine entscheidende Rolle spielen – und zu mehr Olympia-Medaillen führen. Seit Montag hat das Ungetüm nun ein freundliches Gesicht: den Sportpsychologen Bernd Strauß.

„Neues Kapitel der Sportgeschichte“

Der Professor von der Universität Münster wurde von Bundesinnenministerium und Deutschem Olympischen Sportbund (DOSB) bis Ende 2022 als Vorsitzender für die neue fünfköpfige Potas-Kommission berufen. Das Gremium soll bewerten, welche Erfolgsaussichten Sportarten in Deutschland besitzen – und danach das Fördergeld verteilen. Die Vorstellung von Strauß im Innenministerium stellt den Startschuss für das aktuell wichtigste Projekt im deutschen Sport dar: die Reform der Leistungssportförderung. DOSB-Präsident Alfons Hörmann meinte gar, ein „neues Kapitel der Sportgeschichte“ werde aufgeschlagen.

Viele Verbände fürchten um ihre Zukunft

Für die Förderwürdigkeit werden fast 60 „Attribute“ herangezogen, aus denen sich nach einem komplizierten Berechnungsschlüssel die Förderwürdigkeit ergeben soll. Disziplinen mit großer Medaillenperspektive erhalten im „Exzellenzcluster“ das meiste Geld aus den jährlichen Bundesmitteln von derzeit gut 160 Millionen Euro, im nachgeordneten „Potenzialcluster“ wird die bisherige Förderung deutlich zurückgefahren, Sportarten im dritten Cluster bekommen nur eine Basisförderung, die das Überleben sichert, mit der Leistungssport aber kaum finanzierbar sein dürfte. Das bringt Randsportarten, aber auch traditionsreiche Verbände wie das zuletzt erfolglose Schwimmen in Aufruhr. Sie fürchten nun um ihre Zukunft. Strauß ist bewusst, dass er sich auf vermintem Gelände bewegt. „Deshalb wird ein ganz wichtiger Teil unserer Arbeit sein, Vertrauen zu erarbeiten“, sagte er. Innenminister Thomas de Maizère betonte, die Kriterien für die Sportförderung sollten durch die Arbeit der Kommission „so transparent, objektiviert und verlässlich wie nie zuvor“ werden.

Am Montag trat die Potas-Kommission zu ihrer konstituierenden Sitzung zusammen, mit ersten Ergebnissen rechnet Bernd Strauß Ende des Jahres. Man wolle „so seriös wie möglich, aber auch so schnell wie möglich“ arbeiten. Nicht jeder im deutschen Leistungssport wird diese Ankündigung mit Freude vernommen haben.

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