Meinung : Spitzenunis mit Fußfesseln

Bulmahns Initiative für mehr Hochschulwettbewerb

Anja Kühne

Brain up! Deutschland sucht seine Spitzenuniversitäten“ nennt Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn den neuartigen Wettbewerb, den sie unter den besten deutschen Hochschulen initiieren will. Das Bestenrennen heißt mit Absicht ganz ähnlich wie die RTL-Talentshow, schließlich will die SPD auffallen. So schießt Dagmar Schipanski, die christdemokratische Wissenschaftsministerin von Thüringen, ein Eigentor, wenn sie nun sagt, Bulmahn werde mit ihrem Wettbewerb noch solche Überraschungen erleben wie RTL mit Daniel Küblböck.

Denn was soll Bulmahn schon für schlimme Überraschungen erleben? Das Geld des Ministeriums ist in jedem Fall bei den Hochschulen hochwillkommen. Im Land gibt es genug Unis, die sogleich ihr Bewerbungsschreiben aufsetzen werden, um unter den bis zu fünf Einrichtungen zu sein, die über fünf Jahre mit insgesamt jeweils 250 Millionen Euro gefördert werden. Gut, dass die SPD davon abgekommen ist, eine einzige „Bundesuni“ als Elite-Uni ausrufen zu wollen. Denn ohne Wettbewerb wird es keine Elite geben.

Sind 1,25 Milliarden Euro nun viel? Es ist nur ein Anfang. Zum Vergleich: Hans-Olaf Henkel, Präsident der Leibniz-Gemeinschaft, hat unlängst zehn Milliarden Euro für ein Sofortprogramm allein für die Hochschulen gefordert. Das SPD-Programm ist sehr viel kleiner. 50 Millionen Euro pro Jahr machen bei einer Massenuniversität vielleicht ein Fünftel ihres Jahresetats aus. Es ist ganz unwahrscheinlich, dass man damit „in wenigen Jahren Spitzenuniversitäten mit internationalem Renommee“ hervorbringen kann, wie Bulmahn verspricht. Die Unis werden das Geld auf wenige ausgewählte Forschungsprojekte konzentrieren müssen. Wenn sie es mit der Gießkanne über alle Fächer verteilen oder sogar hoffen, damit die Misere in der Lehre beheben zu können, wird das Geld wie ein Tropfen auf dem heißen Stein sofort verdampfen.

Deshalb ist es unglaubwürdig, wenn Bulmahn als Auswahlkriterien für die zukünftigen Spitzenunis eine „gute Betreuung der Studierenden“ nennt. In den Forschungsrankings dominieren nun einmal die Massenunis mit ihren chaotischen Studienbedingungen. Gute Betreuung gibt es dagegen in der Provinz – die nun wieder in der Forschung nicht mithalten kann. In Deutschland wird „Elite“ sich aus Finanzgründen auf die Forschung und bestenfalls Doktorandenprogramme beschränken müssen.

Die SPD hat mit ihren „Elite-Unis“ ein wichtiges Signal gegeben und den Fokus ihrer „Innovationsdebatte“ zu Recht auf Bildung und Forschung gesetzt. Hoffentlich geht jetzt ein Ruck durch die Bundesregierung selbst und durch die Finanzminister der Bundesländer. Doch Skepsis ist angebracht. Der Bund hat die Mittel für die Förderung des Hochschulbaus erst unlängst gesenkt. Bald will die Bildungsministerin den bislang Bund-Länder-finanzierten Hochschulbau ganz den Ländern überlassen – gegen den Willen fast der gesamten scientific community. Denn es ist zu befürchten, dass die Finanzminister der Länder fortan keinen Anreiz haben, in den Hochschulbau zu investieren. Bulmahn will sich dort engagieren, wo politischer Glamour zu erreichen ist. Nicht beim spröden Hochschulbau, sondern bei der Forschung, etwa der an „Spitzenunis“. Das muss im Kopf behalten, wer ihre Segnungen jetzt lobt.

Und noch etwas. Bulmahn nennt als Kriterium für eine Spitzenuni auch „modernes Management“. Doch genau das wird in Deutschland zum Leid vieler Uni-Präsidenten durch die Fachaufsicht der Ministerien oder das Beamtenrecht verhindert. Bulmahn muss jetzt Farbe bekennen und sagen, ob man eine Spitzenuniversität wirklich unter den Bedingungen des öffentlichen Dienstes auf die Beine stellen kann. Ob Spitzenunis wirklich von einer alten „Kapazitätsverordnung“ dazu gezwungen werden dürfen, so viele Studenten aufzunehmen, dass in manchen Fächern auf einen Professor 100 kommen. Wenn die Hochschulen in Deutschland nicht endlich in die Freiheit entlassen werden, müssen sie Bulmahns Wettlauf um die Spitzenplätze mit schweren Fußfesseln antreten. Zum Thema „Deutschland sucht die Spitzenuni“ gehört also noch ein anderes: „Ich bin ein Star – holt mich hier raus!“

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