Sportfunktionär Michael Vesper : Mehr politisches Geschick gefragt

Olympia bleibt ein politisches Thema. Nicht nur weil China alles daran setzt, sein aufpoliertes Image nach außen mit allen Mittel im Inneren zu verteidigen. Nein, der Sport scheint bedroht durch fehlendes Rückrat der deutschen Sportfunktionäre.

Friedhard Teuffel

In diesen Tagen wird sich die deutsche Delegation bei den Olympischen Spielen besonders freuen, dass ihr Leiter ein ehemaliger Politiker ist: Es sind schließlich politische Spiele. Selbst erfahrene Sportfunktionäre wie der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) Jacques Rogge wirken da auf einmal unbeholfen und eingeschüchtert. Michael Vesper aber, der abgebrühte Chef de Mission des deutschen Olympiateams, scheint jetzt erst richtig aufzublühen.

Der frühere Minister aus Nordrhein-Westfalen nutzt jede Gelegenheit, um die politischen Positionen des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) zu verkünden, dessen Generaldirektor er seit dessen Gründung vor zwei Jahren ist. Als Herbergsvater der deutschen Mannschaft versteht sich Vesper jedenfalls nicht. Sport und Politik gehörten nicht zusammen? Im Grunde macht Vesper nichts anderes, als den Sport zu politisieren. Er redet ständig darüber, dass der DOSB der einzige Sportverband in Deutschland sei, der schon im vergangenen Jahr das chinesische Regime für seine Menschenrechtsverletzungen kritisiert habe.

In Peking angekommen, arbeitete sich der 56 Jahre alte Vater von vier Kindern nun am Thema Internetzensur ab. Dabei ist ihm ein unbedachter Satz herausgerutscht: „Bei uns sind es rechtsradikale Seiten, die gesperrt werden. Und es ist natürlich auch in China so, dass einzelne Seiten gesperrt werden.“ Das korrigierte er sofort wieder, er sei gegen die chinesische Zensur von gewöhnlichen Seiten und für die Sperrung von rechtsradikalen Seiten in Deutschland. Offenbar braucht er etwas Gegenwind, um richtig in Fahrt zu kommen.

Elegant umgeht er auch eine Stolperfalle, die sich immer wieder vor ihm aufbaut: Die deutsche Position zu loben, ohne das IOC zu scharf anzugehen. Denn dessen Vizepräsident Thomas Bach ist zugleich Präsident des DOSB. Dem IOC Versäumnisse vorzuwerfen, hieße schließlich, Bach zu schaden. Darauf will es Vesper auf keinen Fall ankommen lassen. Denn bisher bilden der Grüne Vesper und das FDP-Mitglied Bach eine ausgezeichnet funktionierende Arbeitsgemeinschaft. Von Bach könnte Vesper auch noch weiter profitieren. Steigt der einmal zum IOC- Präsidenten auf, könnte Vesper ihn entweder als DOSB-Präsident beerben. Vielleicht reizt ihn auch die internationale Bühne des IOC – und dem könnte ein wenig mehr politisches Geschick nicht schaden.

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