Meinung : Staatsbürger im Overall

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Der Leimener, die Brühlerin, der Kerpener. Drei, die für das Ansehen Deutschlands wahrscheinlich mehr getan haben als der Oggersheimer und der Wolfratshausener zusammen. Und wie dankt ihnen Deutschland diese Verdienste? Zugegeben: Sie sind selten da zum Danken, die drei, immer auf der Flucht vor den Paparazzi und den Oberamtsräten der Steuerfahndung. Immerhin gilt uns Boris Becker ja als sexiest man alive, Steffi Graf als Beweis für die Vereinbarkeit von Mutterschaft und unterschnittener Rückhand, und Michael Schumacher ist glatt zu einer Art Uwe Seeler mit Stützrädern gewachsen. Deshalb darf er sich nun endlich auch politisch äußern und hat gleich Klartext geredet: Gewählt hat er noch nie, will er auch nicht, warum auch? Diese ewigen Bundestagsdebatten hält er für reine Medienspektakel, und vor einem fremden Karren möchte er schon gar nicht gespannt werden. Ein Vorbild zweifellos, einer, an dem sich die Jugend orientiert. Es gilt also, die politische Wählerforschung auf den Staatsbürger im Overall einzustimmen, jene Spezies, die in Sachsen-Anhalt schon fast die absolute Mehrheit besitzt. Feuerfest eingekleidet, nervenstark im Überholduell, kurvensicher bis Tempo 300 und immer bereit, Journalisten reichlich dussliges Zeug aufs Band zu diktieren, ach. Es ist womöglich sogar besser, dass diese Leute nicht wählen. Sonst stellt Ferrari am Ende noch den Kanzler.

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