Städtetag : Ulrich Maly: „Respekt vor der Kommune“

Er kam nie raus aus Nürnberg. Nun wird Oberbürgermeister Ulrich Maly sogar Präsident des Deutschen Städtetags. Ein Porträt.

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Es gibt sie durchaus: bayerische Sozialdemokraten, die in ihrer Region stark verankert sind, eher leise und pragmatisch Politik machen und auf diese Weise große Wahlerfolge erzielen. Und die bundespolitisch kaum bekannt sind. Ulrich Maly, der Oberbürgermeister von Nürnberg, ist so ein Fall. Der Deutsche Städtetag mit seinen 3400 Mitgliedskommunen wird ihn bei seiner Hauptversammlung in Frankfurt am Main am heutigen Donnerstag aller Voraussicht nach zum neuen Präsidenten wählen. Er löst damit Christian Ude (SPD) ab, der Münchner OB ist und im Herbst Bayerns Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU) bei der Landtagswahl herausfordert.

64,3 Prozent der Stimmen erhielt Maly bei der letzten Wahl in Nürnberg, damit deklassierte er den CSU-Bewerber. Dennoch arbeitet er im Stadtrat mit den Christsozialen zusammen. Dialog, Vernunft, Pragmatik – solche Begriffe verwendet der 52-jährige Volkswirt gern. In der Kommunalpolitik gibt es kaum strittige Themen. Die Frankenmetropole mit ihrer unheilvollen NS-Vergangenheit hat sich den Ruf als „Stadt der Menschenrechte“ erarbeitet. Wirtschaftlich geht es Nürnberg und ganz Franken dagegen deutlich schlechter als dem reichen Oberbayern.

Maly kam nie raus aus der Stadt: Dort wurde er geboren, ging er zur Schule, studierte und stieg dann in die Stadtverwaltung ein. Er gilt als wirtschaftsfreundlich. In seinem neuen Amt möchte er sich für „solide Kommunalfinanzen“ einsetzen, denn viele Städte stehen weiterhin äußerst klamm da. Er stellt sich gegen EU-Deregulierungen etwa bei der Wasserversorgung und fordert bezahlbaren Wohnraum angesichts der steigenden Mieten. Gemeinsam mit Ude scheiterte er aber jüngst bei dem Versuch, ein riesiges Paket aus 32 000 Wohnungen im Freistaat von der Bayern-LB abzukaufen. Der Zuschlag ging an einen Privatinvestor. Insgesamt ist Maly der „Respekt vor der kommunalen Ebene“ wichtig, wie er sagt. Die weiterhin darbende Bayern-SPD wird im angehenden Wahlkampf wohl noch öfter auf ihn zukommen und ihn um Unterstützung bitten.

In Nürnberg hat Ulrich Maly mit Finanzminister Markus Söder, dem Chef des CSU-Bezirksverbandes, einen prominenten Gegenspieler. Der Kontrast könnte kaum größer sein: Der eine als der Beschwichtiger, der andere als Polarisierer mit Tendenzen zum Rabaukentum. Bisher konnte er Söders Angriffe immer geschickt ins Aus befördern.

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