Meinung : „Stärker, grüner, sozialer“

Rolf Brockschmidt

Wouter Bos, der Spitzenkandidat der niederländischen Sozialdemokraten PvdA, wird nun doch Vizepremier im Kabinett Balkenende. Das hatte der smarte Sozialdemokrat noch im Januar weit von sich gewiesen: Als Spitzenmann der PvdA werde er entweder Ministerpräsident oder Fraktionssführer. Als zweitstärkste Partei musste Bos Balkenende jedoch den Vortritt lassen, aber die Partei war der Meinung, dass Bos nur am Kabinettstisch mitreden und sozialdemokratischen Einfluss ausüben könne. Bos und Balkenende an einem Tisch, noch vor Monaten war das unvorstellbar, etwa genauso wie ein Kabinett Merkel/Schröder. Aber Wouter Bos war auch angetreten, niederländische Politik nach fünf Jahren konservativer Regierung wieder sozialer zu gestalten. Dafür steht Bos, der nichts mehr hat von jenen väterlichen sozialdemokratischen Urgesteinen à la Wim Kok und Joop den Uyl.

Bos, 1963 geboren, ist schon immer ein Senkrechtstarter gewesen. Mit 25 Jahren hat er sein Studium der Politologie und Wirtschaft mit cum laude abgeschlossen. Zehn Jahre lang war er erfolgreicher Berater und Manager bei Shell mit Posten in Bukarest und Asien, von 1998 bis 2000 im Parlament, dann zwei Jahre Staatssekretär im Finanzministerium. Seit 2002, der verlorenen Wahl nach dem Mord an Pim Fortuyn, versuchte Bos der Partei ein neues Profil zu geben: jünger, moderner, sozialer. Der Hoffnungsträger tritt auf wie der nette Junge von nebenan: keine Krawatte, offenes Hemd, immer gut für einen Spruch. „Liebe Leute“ hat er in der Wahlnacht immer wieder seinen Anhängern zugerufen, „liebe Leute“. Das schafft mehr Wärme als „Genossen“. Stil, Mut und Klarheit hat er an Fortuyn geschätzt, ohne seine Meinung zu teilen. „Meine Ideale sind mir egal, wenn ich sie nicht in Lösungen umsetzen kann“, hat er damals gesagt.

Nun muss der Mann auf der Kiste im roten Anorak – so ist er bevorzugt im Wahlkampf aufgetreten – zeigen, dass er Lösungen finden wird. Wortbrüchig und entgegen allen vorher geäußerten Beteuerungen doch Vizepremier unter Balkenende zu werden, hat Bos in Kauf genommen. Man sagt, dass er sich diesen Posten habe teuer bezahlen lassen. Der Koalitionsvertrag wird die Niederlande „stärker, sozialer, grüner machen“, davon ist Bos überzeugt. Die Wähler werden ihn beobachten und sein schärfster Konkurrent Jan Marijnissen von der siegreichen linken SP wird auf Fehler lauern.

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