Meinung : Stammzellen: Drei Damen und ein Antrag

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Lange dauerte die Debatte über Gentechnik. Dabei wurde das deutsche Feuilleton revolutioniert, ein Ethikrat berufen, auch der Bundestag hat sich in gemessenem Ton gestritten. Am Mittwoch nun fällt eine erste Entscheidung: Soll der Import embryonaler Stammzellen erlaubt sein? Dazu liegen vier fraktionsübergreifende Anträge vor. Zwei sagen klar ja, einer von der Minderheit in der Unionsfraktion, einer von der Mehrheit der FDP. Ein weiterer Antrag sagt klar nein, in ihm verbinden sich Katholiken und Feministinnen. Und dann gibt es da einen vierten Antrag, den von Margot von Renesse (SPD), Maria Böhmer (CDU) und Andrea Fischer (Grüne). Er steht dem Nein näher als dem Ja und lässt dennoch zu, dass unter strengen Auflagen Stammzellen eingeführt werden. Dieser Drei-Damen-Antrag hat am Mittwoch die größten Chancen, die Mehrheit hinter sich zu bringen, weil er die Menschenwürde achtet und zugleich der Wissenschaft Luft zum Atmen lässt. Am Ende wird ihm womöglich sogar der Abgeordnete Schröder (Hannover) seine Stimmen geben. Und sei es nur, weil er weder mit der FDP noch mit der Hintze-CDU stimmen möchte. Man sieht: Auch ernsteste Debatten können ironische Pointen haben.

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