Meinung : Starre Haltung

„Vorsitzende der Selbstdemontage“

vom 22. August

Das Lob für Castro in der Glückwunschadresse der Partei „Die Linken“ erging zur falschen Zeit und mit falschem Inhalt. Wenngleich ein Hinweis auf Menschenrechtsverletzungen in Kuba nicht zu erwarten war, so sehe ich einen anderen fundamentalen Mangel des Schreibens: Offenbar ist den Unterzeichnern entgangen, dass seit der Amtsübernahme Raúl Castros im Juli 2006 in der kubanischen Führung ein zähes Ringen um den richtigen Kurs der Wirtschaftspolitik stattfindet. Mehr private Initiative wollen die einen, auf keinen Fall Markt und Kapitalismus wollen die anderen. Fidel Castro verteidigt als „moralische Instanz“ den Status quo. Er will keinen Millimeter weichen, denn jeder Kompromiss bedeutet für ihn eine Niederlage und den Anfang vom Ende seiner Revolution. Der Brief der Linkspartei stärkt ihm gegen die fortschrittlichen Kräfte in seinem Lande den Rücken. Jeder Beleg für die Richtigkeit seiner starren Haltung ist ihm recht; so wird er auch die deutsche Glückwunschadresse deuten und für sich ins Feld führen.

Ich erinnere mich an eine Diskussionsveranstaltung 2006 an der Universität Jena, in deren Verlauf Sahra Wagenknecht zu meiner Überraschung mehr privatem Unternehmertum in Kuba das Wort redete. Gut hätte die Führung der Linkspartei diesen Gedanken aufgreifen und dem Glückwunsch an Fidel Castro eine Ermutigung in dieser Richtung beifügen können. Dies hätte eine doppelte Wirkung gehabt, nämlich einerseits Castro keine weitere Munition gegen den Beginn von Strukturreformen zu liefern und gleichzeitig diejenigen zu stärken, die dem Land den wirtschaftlichen Gau ersparen wollen.

Bernd Wulffen, Berlin-Charlottenburg

Warum ist Frau Lötzsch ob der Kritik an der Linkspartei genervt? Wegen des rückwärtsgewandten Kurses der Linkspartei müsste es eigentlich die SPD in Berlin sein, die ja immerhin mit den Linken koaliert und sich (Wowereit) vorstellen kann, dies weiterhin tun zu können.

Reinhard W. Muth,

Berlin-Schmargendorf

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