Stasi-Kommission in Brandenburg : Wieder uferlos

Jetzt soll sie richtig durchleutet werden, die kleine DDR. Doch bilde sich niemand ein, dass die vom Landtag in Brandenburg noch einzurichtende Kommission eine politikfreie Zone sein könne

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Auf diesen Bericht darf man wirklich gespannt sein: Denn jetzt soll sie so richtig durchleuchtet werden, die kleine DDR, wie liebevoll-ironisch der erste Brandenburger Ministerpräsident Manfred Stolpe sein Land nannte. Was der Enquetekommission des Landtags zur Aufarbeitung der Nachwendezeit aufgeladen werden soll, kann sich – spöttisch gesagt – nur an der südafrikanischen Wahrheitskommission messen. Die Opposition will selbst die Landwirtschaft, den Sport, die Medien durchleuchten, die rot-rote Regierungskoalition legt noch drauf mit der Analyse des „Brandenburger Wegs“ des Manfred Stolpe. Es wird einem angesichts der uferlosen Aufgabe bange für die sieben Parlamentarier und sieben Wissenschaftler, die in zwei Jahren einen Bericht über Versäumnisse, Fehlentwicklungen und Stasi-Verstrickungen in den demokratischen Anfangsjahren vorlegen sollen. Bilde sich niemand ein, dass die noch einzurichtende Kommission eine politikfreie Zone sein könne – allein der neutralen Recherche verpflichtet. Das so lange verschleppte Anliegen, Lehren aus den Stasi-Fällen und der unterbliebenen Aufarbeitung zu ziehen, wird so nur schwer erreicht. Wer zu viel will, der sorgt dafür, dass am Ende wenig dabei herauskommt.

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