Stefan Raab : "Die Dealer tarnen sich immer besser"

Stefan Raab wird Entertainer des Jahres - ein Porträt.

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Thomas Gottschalk ist mit „Wetten, dass...?“ deutlich in die Jahre gekommen, Dieter Bohlen bleibt mit „DSDS“ und „Supertalent“ im Doofen und Derben stecken. Für solches Fernsehen gibt es keinen Fernsehpreis. Aber es gibt den „Deutschen Fernsehpreis“, und es gibt Stefan Raab. Und weil es bei diesem Wettbewerb die Kategorie „Besondere Leistung Unterhaltung“ gibt, bekommt Raab am Samstagabend in Köln die Plexiglas-Trophäe als „Entertainer des Jahres“ überreicht.

Das ist so verdient, wie es überraschend ist. Überraschend, weil der 43-jährige Metzgerssohn aus Köln sich als wahrer „TV-Rüpel“ auf den Bildschirm drängte. Nach der nicht falschen Devise „Nur Provokation schafft Aufmerksamkeit“ malträtierte er bei Viva Popstars mit dem Gummihammer, demolierte bei der ZDF-„Hitparade“ Instrumente und wurde zu 150 000 Euro Strafe verurteilt, nachdem er das Bild einer jungen Mutter mit der Schultüte im Arm gezeigt und mit den Worten „Unfassbar, oder? Die Dealer tarnen sich immer besser“ kommentiert hatte.

Im Jahr 2010 beherrscht der längst „mittelalterliche Milde“ das Fernsehen. Für die ARD initiiert und moderiert der Musiker, Komponist und Sänger die Castingshow „Unser Star für Oslo“ mit Siegerin Lena Meyer-Landrut, die tatsächlich den „Eurovision Song Contest“ gewinnt. Für seinen Haussender Pro Sieben arrangiert er den „Bundesvision SongContest“, schafft über die Late-Night-Sendung „TV total“ eine Marke, die der Entertainer und Produzent als „TV total Turmspringen“, als „TV total Bundestagswahl“ oder „TV total Stock Car Crash Challenge“ in sehr beachtliche Einschaltquoten umsetzt.

2009 kreiert er das Gladiatorenspiel „Schlag den Raab“. Das verschafft ihm beim Publikum Respekt, weil Raab sich selbst, mehr noch als bei „TV total“, ins Herausforderer-Duell mit großer Physis einbringt. Wenn er vom Rad fällt, sich eine Gehirnerschütterung holt, aufsteht und weitermacht – dann ist er unter all den Geleckten und Gelackten der Showbranche authentisch, ein echter Held. So nahbar sich Raab im Fernsehen gibt, so intensiv schottet er sein Privatleben ab. Mit seiner Lebensgefährtin hat er zwei Töchter.

Auf dem Bildschirm hat Raab immer die Herausforderung gesucht, und er sucht sie weiter. Mit Lena wird er 2011 die Titelverteidigung beim „ESC“ angehen. Das ist mutig, doch den König Midas der TV-Unterhaltung kann ein Risiko nicht schrecken.

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