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Steinbrück und das Geld : Der Wert der Macht

02.01.2013 08:53 Uhrvon
Hat Ecken und Kanten: Peer Steinbrück. Foto: dpa / picture-allianceBild vergrößern
Hat Ecken und Kanten: Peer Steinbrück. - Foto: dpa / picture-alliance

Unsensibel finden viele Peer Steinbrücks Forderung nach mehr Geld für den deutschen Kanzler. Natürlich kann man eine Debatte darüber führen, was leistungsgerechte Bezahlung an der Spitze der Regierung ist. Eine andere Diskussion wäre aber viel wichtiger.

Er hat sie mal wieder in Wallung gebracht, die Gemüter. Peer Steinbrück und das Geld, das ist schwieriges Terrain, wenn es um die persönlichen Einnahmen des SPD-Kanzlerkandidaten geht, der doch gerade als Hüter des Geldes mal Reputation bei den Wählern erworben hat. Nach seiner Äußerung, ein Bundeskanzler verdiene in Bezug auf seine Leistung und im Vergleich zu anderen zu wenig, versucht sich nun die eigene Partei in Schadenbegrenzung, bei den anderen Parteien dürfte Schadenfreude vorherrschen.

Natürlich sieht es auf den ersten Blick so aus, als wolle sich da einer schon mal bessere Konditionen für die Bezahlung in dem Amt verschaffen, das er gerade anstrebt. Das kommt ziemlich schräg daher. Jeder Wahltaktiker schlägt die Hände über dem Kopf zusammen: Wie kann der Mann es nur in Altherrenmanier anderen so leicht machen, ihn als Gierhals zu brandmarken? Wie unsensibel! Schon wieder! Allerdings: Steinbrück hat eine höhere Bezahlung nicht zur Voraussetzung gemacht, bevor er sich als Kandidat hat aufstellen lassen. Offenbar geht auch er davon aus, dass es sich mit dem aktuellen Salär durchaus gut leben lässt. Es sollte niemand glauben, er würde aus der Wirtschaft kein Angebot bekommen.

Warum also die Entrüstung? Bei der SPD haben sie auf einen kantigen Kandidaten gesetzt. Sie wollten einen, der nicht so lange im Hintergrund laviert, bis er eine Meinung äußert, wie es Bundeskanzlerin Angela Merkel immer vorgehalten wird. Den müssen sie jetzt aushalten. Und die Wähler sollten sich freuen. Sie haben im September die Wahl. Will denn jemand einen weichgespülten Kandidaten, der im Wahlkampf eine andere Marschroute propagiert, als er für das Amt vorhat? Diesen Mann ohne Ecken und Kanten nehmen die Wähler Steinbrück wie der Partei sowieso nicht ab.

Wenn Peer Steinbrück allerdings wirklich Regierungschef werden will, wird er bis dahin noch eine gehörige Portion Diplomatie lernen müssen. Die ist nicht allein das Feld eines Außenministers. Anders als mancher Konzernchef ist ein Kanzler nun einmal darauf angewiesen, andere einzubinden. Trotz Richtlinienkompetenz und auch, wenn man das Ziel noch so klar vor Augen hat: Regieren funktioniert nur im Gespräch mit anderen. Provokation allein bringt nicht weiter. Auch jetzt kommt es darauf an, was Steinbrück weiter aus der Debatte macht.

Angela Merkel hat in ihrer Neujahrsansprache als silbern-spacige Kanzlerin zwar nicht über Bezahlung geredet, aber auch bei ihr ging es um das Gewicht, also die Macht, der Politik. Sie sprach von den Herausforderungen der noch längst nicht überwundenen Krise und betonte, die Bürger könnten darauf vertrauen, dass der Staat der Hüter der Ordnung sei. Soll wohl auch heißen nicht die Finanzmärkte und deren Akteure. Samt ihren Maßstäben.

Natürlich kann man eine Debatte darüber führen, was leistungsgerechte Bezahlung an der Spitze der Regierung ist. Es wäre irrsinnig, würde jemand auf die Idee kommen, das Kanzlereinkommen am höchsten Managergehalt zu orientieren. Im Übrigen: an welchem denn? Viele Entscheidungen, die im Kanzleramt getroffen werden, wirken in die ganze Welt. Erinnern wir uns: Vor einigen Jahren wurden die angeblich zu niedrigen Gehälter deutscher Spitzenmanager beklagt, um sie in die Höhe zu jazzen. Die Begründung lautete, bezahle man sie nicht endlich so hoch wie international üblich, würden sie im Wettbewerb nicht ernst genommen. Darüber kann die Kanzlerin sich nicht beklagen, international wünschten sich manche wohl eher, sie hätte weniger Einfluss. Auch Steinbrück weiß, wie viel mehr das Amt zu bieten hat als Mammon.

Vielleicht ist es aber an der Zeit, sich darüber Gedanken zu machen, ob mancher ein exorbitant hohes Gehalt mit Macht verwechselt, die ihm in seiner Position gar nicht zusteht. Autorität, Respekt, Leistung und Gegenleistung in der Demokratie, das wäre eine spannende Diskussion. Dabei geht es aber um sehr viel mehr als um die Einkünfte von Sparkassendirektoren oder Kanzlern. Es geht um gemeinsame Verantwortung.

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