Steinbrücks Kompetenzteam : Ein blasser Karrieremann, der die Wähler nicht anspricht

Soeben hat Peer Steinbrück Florian Pronold in sein Schattenkabinett berufen, Ressort Verkehr und Wohnen. So manch bayerischer Genosse aber hält nicht viel von seinem Landesvorsitzenden. Er gilt als "Apparatschik", der die Wähler nicht anspricht.

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"Blasser Technokrat"? Manch bayerischer Genosse redet schlecht über den SPD-Landesvorsitzenden Florian Pronold, der am Montag in Peer Steinbrücks Schattenkabinett berufen wurde.
"Blasser Technokrat"? Manch bayerischer Genosse redet schlecht über den SPD-Landesvorsitzenden Florian Pronold, der am Montag in...Foto: dpa

Drei Buchstaben prägen den Lebenslauf des 40-jährigen Florian Pronold: SPD. Seit seinen Jugendtagen arbeitet sich der Niederbayer zielstrebig in der Partei hoch: Juso, Bezirksvorsitzender, Vizechef der bayerischen Sozialdemokraten, Bundestagsabgeordneter und seit 2009 Landesvorsitzender der ewigen Oppositionspartei im Freistaat. Nun hat Peer Steinbrück Pronold in sein Schattenkabinett berufen, er soll die Themen Verkehr und Wohnen abdecken und den CSU-Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer herausfordern.

In seinem bayerischen Landesverband ist Pronold allerdings umstritten. Der Jurist gilt vielen als kalter und blasser Apparatschik, der bei den Bürgern nicht ankommt und sich am liebsten in innerparteilichen Gremien profiliert. Mit seinen Reden auf Parteitagen oder beim Politischen Aschermittwoch kann er nicht begeistern, selbst wenn er schneidig jubelt: „Die Bayern-SPD ist in Höchstform.“

Wie sehr es dort knirscht, zeigte im vergangenen Jahr der öffentliche Facebook-Aufschrei des damaligen Überfliegers Michael Adam: Der heute 28 Jahre alte bekennend schwule Sozi, ebenfalls aus Niederbayern, hatte Pronold vorgeworfen, dass unter dessen Leitung in der Parteizentrale am Münchner Oberanger nur „Jasager und Speichellecker“ erwünscht seien. Dem Vorsitzenden gehe es vor allem darum, parteiinterne Konkurrenten klein zu halten. Wenn Pronold ihn anrufe, bekomme er „Gänsehaut“. Andere bezeichneten Pronold als „Mühlstein“ am Hals der Bayern-SPD. Michael Adam hat im Gegensatz zu Pronold schon zwei nicht parteiinterne Wahlen gewonnen: Er wurde Bürgermeister in seiner Heimatgemeinde Bodenmais und ist jetzt Landrat im tiefschwarzen Landkreis Regen.

Es ist ein typisches Phänomen in einer Partei in jahrzehntelanger Diaspora: Die verbliebenen Aktivisten kreisen weitgehend um sich selbst. Die einstige Bundesfamilienministerin Renate Schmidt attestierte ihrer Bayern-SPD denn auch „Machtentwöhnung“. Gefahrlos konnte sich Florian Pronold vor zehn Jahren als junger Bundestagsabgeordneter gegen Gerhard Schröders „Agenda 2010“ stellen und seinen Ruf als Linker aufbauen.

Peer Steinbrück dürfte ihn jetzt vor allem deshalb in sein Team geholt haben, weil Bayern repräsentiert sein muss – damit die CSU im Landtagswahlkampf nicht behaupten kann, die bayerischen Genossen seien der Bundes-SPD nichts wert.

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