Stellenabbau bei ProSiebenSat1 : Geld steht auf dem Programm

Die Pressefreiheit wird mehr und mehr zum Produkt. Wie gut sie am Markt besteht, entscheidet über ihre Zukunft.

Moritz Döbler

Artikel 5 des Grundgesetzes garantiert die Pressefreiheit. Insofern sind Zeitungen und Sendungen etwas anderes als Bratwürste, Kaffeemaschinen und all die anderen Produkte, die in der Verfassung nicht vorkommen. Aber Produkte sind sie eben auch; wie gut sie am Markt bestehen, entscheidet über ihre Zukunft. Deswegen bleibt den Zuschauern bei RTL Peter Kloeppel erhalten und Thomas Kausch bei Sat 1 nicht. Dahinter steckt System. Es ist nicht das Ziel von Unternehmen, Gewinne zu machen, sondern es ist ihre Voraussetzung. Oder: Es ist nicht nur legitim, Geld zu verdienen – es muss sein. Damit entscheiden Leser, Hörer und Zuschauer, was gedruckt und gesendet wird, und nicht Könige oder Diktatoren. Zuschauerquoten und Auflagenzahlen sind urdemokratisch.

Weil es aber nicht um Bratwürste geht, gibt es einige gewichtige Regularien. Zu Recht sind Kinderpornografie und Naziparolen verboten; die Vermischung von werblichen und redaktionellen Inhalten wird sanktioniert. Das System ist nicht zufällig entstanden, sondern hat sich folgerichtig so entwickelt. Wenn der Direktor einer „Landesanstalt für Medien und Kommunikation“ zum Fall ProSiebenSat1 anmerkt, Programme dürften nicht baden gehen, nur um die Renditeziele der Eigentümer zu erreichen, verbreitet er einfältigen Blödsinn, der einen an den öffentlich-rechtlichen Proporzmonsterbürokratien zweifeln lässt.

Natürlich muss auch der Eigentümer eines Medienhauses seine Renditeziele erreichen oder jedenfalls erreichen dürfen. Das gilt auch, wenn er KKR oder Permira heißt und den gemeinen Heuschrecken zugerechnet wird. Nicht das Renditeziel führt zu Stellenabbau, sondern der Umstand, dass es offenbar zu viele News-Formate im Fernsehen gibt. Der Zuschauer hat abgestimmt. Man mag einwenden, dass die Belegschaft in München und Berlin auch dafür bluten muss, dass die Eigentümer die zu teuer eingekaufte europäische Senderkette SBS refinanzieren müssen. Aber nicht alles, was kritikwürdig ist, gehört verboten. Fehlentscheidungen sind erlaubt.

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