Meinung : Sternmarsch für Bildung: Mit lehrreichem Ehrgeiz

Susanne Vieth-Entus

Knappe Kassen plus starre Verwaltung plus Reformstau: Diese knifflige Rechnung führt heute zum zweiten Mal in diesem Jahr Eltern, Lehrer und Schüler auf die Straße. Ihre Hoffnung, durch die eindrucksvolle Groß-Demonstration im März etwas bewegen zu können, ging ins Leere. Die Politik riss das Steuer nicht wirklich herum. Stattdessen wurden in den vergangenen Monaten nur noch ein paar weitere Hoffnungen begraben.

Begraben wurde die Hoffnung, man brauche die Bildungsmilliarden nur effizienter einzusetzen, um eine ausreichende Versorgung der Kinder zu sichern. Jetzt wissen wir: Selbst ein so glaubhafter Sparkommissar wie Schulsenator Klaus Böger kann mit den knappen Mitteln keine Wunder vollbringen. Er hat die Klassen noch voller gestopft, Vertretungsregelungen ins Absurde verschärft und die Lehrer mehr arbeiten lassen. Dennoch fällt weiterhin Unterricht aus.

Begraben wurde die Hoffnung, das Landesschulamt brauche nur einen "harten Mann", um den Laden in den Griff zu bekommen. Jetzt wissen wir: Die Behörde ist einfach zu groß, um rasch auf Probleme der knapp 1000 Schulen reagieren zu können. Die Schulräte vor Ort haben es zu leicht, die Verantwortung nach oben zu delegieren.

Begraben wurde die Hoffnung, die große Koalition sei tatsächlich und nachhaltig aufgerüttelt durch die Elternproteste vom März. Jetzt wissen wir: Der Bildungssektor wird weiterhin gerupft. Die aktuellen Etatverhandlungen für 2001 machen deutlich, dass Böger unverändert in der Defensive ist. Es gibt also genug Anlass, das Thema "Schule" wieder auf die Straße zu holen. Dass es diesmal flankiert werden soll von den anderen beiden Bildungsbereichen Kindertagesstätte und Hochschule wirkt etwas konstruiert, macht aber zumindest in bezug auf die Kitas Sinn. Zwar sind sie etwas aus den Schlagzeilen geraten, seitdem es genügend Betreuungsplätze gibt. Aber die andauernden Personaleinsparungen schaden der Qualität der Einrichtungen. Die Gruppen werden immer größer, die Mittel für Spielmaterial immer geringer.

Die allgegenwärtigen Defizite im Schul- und Kitabereich stehen im direkten Gegensatz zu den Sonntagsreden über Bildungschancen und Ausländerintegration. Die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen, dass Personalknappheit in der Schule immer zuerst auf Kosten der Förderstunden für Kinder nichtdeutscher Herkunftssprache geht. Und dies sind genau die Kinder, die schon in den Kitas mangels Personal eine ungenügende Sprachförderung erlebten.

Falls bei der heutigen Demonstration weniger Teilnehmer auf die Straße gehen als noch im März, dürfte es kaum daran liegen, dass sich in den vergangenen Monaten irgendein Problem erledigt hätte.

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