Meinung : Steuersünder ins Steuerparadies

Berichterstattung zu Uli Hoeneß

Die mutmaßlichen Steuervergehen von Fußballstar und Manager des FC Bayern München Uli Hoeneß rufen in Deutschland Empörung hervor, am lautesten bei denen, die vielleicht gar keine Abgaben zahlen und den Staat auf andere Weise betrügen. Ich erinnere an Johannes 8, Vers 7 des Neuen Testaments: „Wer von euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein.“ Natürlich ist Steuerverkürzung ein schweres Vergehen, je höher die Summe, desto gravierender. Aber auch leicht heilbar durch Nachzahlung, Strafzahlungen und Säumniszuschläge.

Solche Strafverfahren mit Gewaltverbrechen zu vergleichen ist maßlos, und Steuerhinterzieher gehören nicht ins Gefängnis. Einem Land den Rücken zu kehren (wie Gérard Depardieu), das 75 Prozent seiner Einkünfte einbehalten will, ist recht und billig. Es ist viel Heuchelei in der öffentlichen Debatte, und ich möchte den sehen, der frohen Herzens darauf brennt, dem Staat sein Geld zu geben. Im Übrigen gehören Steuersünder ins Steuerparadies. In das „richtige“ werden sie später nicht eingelassen.

Tatiana Schmidt dos Santos, Brasilien

An der Steuersache Hoeneß ist vor allem die Außenwirkung interessant. Die einen preisen den Präsidenten des FC Bayern als modernen Robin Hood. Andere sehen in ihm das, was er ist: ein Steuerbetrüger. In der ARD-Sendung Günter Jauch schieden sich die Geister zwischen den Vertretern des geltenden Rechts und denjenigen, die ihre Sympathie für den Straftäter nicht unterdrücken mochten. Aber: Noch ist nichts entschieden, nicht einmal, ob die Selbstanzeige angenommen wird. Das Scheitern des Abkommens mit der Schweiz durch die Ablehnung von SPD und Grünen bringt die Koalition in die Bredouille. Warum waren Merkel und Schäuble nicht durchsetzungsfähig genug, um ein Abkommen wie zwischen den USA und den Eidgenossen auszuhandeln, wonach die Schweiz Steuerflüchtlinge zu nennen hat. Wer Steuerflüchtlingen Schlupflöcher bietet, darf sich nicht wundern, wenn er als Beihelfer zu Straftaten gebrandmarkt wird. Wir dürfen gespannt sein, wer in Zukunft Selbstanzeige erstatten wird – Hoeneß sei Dank!

Wolf P. Prange, Berlin-Dahlem

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