Steuersünderdatei : Brücken bauen

Die straffreie Selbstanzeige gibt es glücklicherweise nur bei Steuerhinterziehung. Man stelle sich vor, ein Vergewaltiger meldete sich freiwillig bei der Polizei und ginge deswegen straffrei aus. Doch der Vergleich hinkt.

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Es geht hier nicht um Leib und Leben. Für den Staat und die Allgemeinheit muss am wichtigsten sein, möglichst viel hinterzogenes Geld zurückzuholen. Reue, gar nur geheuchelt, ist Nebensache. Doch die Steuer-CDs scheuchen nur jene auf, die ohnehin vor der Enttarnung stehen. Bei der enormen Dunkelziffer wären breiter wirkende Impulse lukrativer. Unter Rot-Grün hieß das „Brücke zur Steuerehrlichkeit“. Wer sein hinterzogenes Geld meldete, musste 25 Prozent abgeben – das brachte dem Fiskus Mehreinnahmen von 1,39 Milliarden Euro. Trotzdem gilt das befristete Amnestiegesetz als Flop, weil mit fünf Milliarden gerechnet worden war. Nur: Bevor der Staat sich lauter CDs aus dunklen Quellen andrehen lässt, wäre eine zweite Brücke nach diesem Modell sinnvoll. Italien hat das gerade gezeigt, wenn auch mit dem wohl zu niedrigen Steuersatz von fünf Prozent. Der Zeitpunkt passt: Das Bankgeheimnis schwindet, der Offenbarungsdruck steigt.

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