Steuertricks bei Starbucks : Die Verbraucher sind nicht machtlos

21.12.2012 08:48 Uhrvon
Aktivisten protestieren gegen die Steuerpolitik von Starbucks in Großbritannien. Foto: Reuters
Aktivisten protestieren gegen die Steuerpolitik von Starbucks in Großbritannien. - Foto: Reuters

Nach jahrelangen Buchungstricks führt Starbucks in England plötzlich freiwillig Abgaben an den Staat ab. Der Fall zeigt: Die Konsumenten denken wieder lokal.

Die Preise sind eher üppig, wenn man einen „Latte Grande“ oder einen „Iced Caramel Macchiato“ bestellt: Starbucks ist nicht der Discounter unter den Kaffeeketten. Trotzdem sind die Läden meist gut gefüllt, was neben dem Kaffee auch am kostenlosen W-Lan liegen dürfte. Jedenfalls waren die Briten recht überrascht, als sie kürzlich erfuhren, dass Starbucks UK zwar jährlich 400 Millionen Pfund umsetzt, aber in den vergangenen drei Jahren keine Steuern bezahlt hat. In 14 Jahren überwies die Kette überhaupt nur einmal etwas an „Her Majesty’s Revenue & Customs“.

Das kümmerte lange niemanden, doch im Zuge der britischen Sparmaßnahmen gerieten plötzlich auch die Steuererklärungen größerer Firmen in den Blick. Und es liest sich durchaus spannend, wie die Starbucks-Manager Gelder zwischen verschiedenen europäischen Ländern hin- und herschoben, mit dem Ergebnis, dass die Coffeeshops in Großbritannien plötzlich wie Investitionsruinen wirkten. Zum Beispiel wurden 4,7 Prozent vom Umsatz als Abgeltung für Markenrechte an Starbucks in den Niederlanden abgeführt. 20 Prozent gingen an eine Tochterfirma in der Schweiz, die 30 Angestellte beschäftigt und für den Handel mit Kaffeebohnen zuständig sein soll. Firmenprospekte für Investoren und Analysten wiesen den englischen Ableger als profitabel aus.

Die beschriebenen Transaktionen klingen abenteuerlich – aber sie waren und sind legal. Vor den britischen Finanzämtern musste Starbucks keine Angst haben. Erstaunlich ist eher, wie vorauseilend die Kette auf Boykottdrohungen von Konsumenten reagierte. Nachdem einige Läden symbolisch von Aktivisten besetzt wurden, gestand das Management in einem Brief ein, dass man „nicht perfekt“ sei. Gleichzeitig trieb es mit einer Ankündigung die Absurdität seiner Abgabenpolitik auf die Spitze: In den nächsten zwei Jahren werde man jeweils zehn Millionen Pfund an den Staat zahlen – ganz egal, ob ein Gewinn erzielt werde oder nicht. Von Steuer, so die Reaktion eines britischen Regierungssprechers, könne man da nicht mehr sprechen – eher von einer Art freiwilliger Abgabe.

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