Stichwahl in Afghanistan : Das Mindeste

Ein Problem mehr in Afghanistan: Auch die Stichwahl wird kaum mehr Glaubwürdigkeit bringen.

Dagmar Dehmer

Wahlbetrug wird nicht überall mit einer Machtteilung belohnt, wie das in Afrika üblich ist. Mit der Entscheidung, in Afghanistan eine Stichwahl zwischen dem amtierenden Präsidenten Hamid Karsai und seinem Konkurrenten Abdullah Abdullah abzuhalten, soll der Wahlskandal geheilt werden. Allerdings wird die Stichwahl kaum mehr Glaubwürdigkeit bringen. Denn sie muss in weniger als drei Wochen vorbereitet werden. Schon beim ersten Wahlgang konnten große Bevölkerungsteile wegen der Sicherheitslage nicht teilnehmen. Dass es bei der Stichwahl gelingen könnte, Wahlbetrug zu unterbinden, dürfte eine Illusion sein. Vermutlich wird er sogar noch professioneller ausfallen – und weniger öffentlich gemacht werden. Für den Westen ist es zur Gesichtswahrung notwendig, eine halbwegs akzeptable Wahl zustande zu bringen. Ohne Karsais Zugeständnis der Stichwahl wäre die Debatte über eine neue Afghanistanstrategie der USA und womöglich mehr Soldaten schnell beendet gewesen. Aber auch in Deutschland und anderen Nato-Staaten ist es schwer, für eine Regierung von Wahlbetrügern mehr Entwicklungshilfe und Soldaten durchzusetzen.

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