Stiften und spenden : Der Mut der Milliardäre

Vierzig amerikanische Milliardäre haben erklärt, dass sie wenigstens die Hälfte ihres Portfolios für humanitäre Zwecke spenden. Vielleicht macht Geld doch glücklich. Wenn man das Format hat, es zu verschenken.

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Warren Buffet (l.) und Bill Gates haben 100 Milliarden Dollar gesammelt.
Warren Buffet (l.) und Bill Gates haben 100 Milliarden Dollar gesammelt.Foto: dpa

In Jules Vernes Roman „Die 500 Millionen der Begum“ liefern sich zwei Erben einen erbitterten Kampf. Der eine will den Menschen ein blühendes Gemeinwesen bauen, der andere ein finsteres Stahl- und Kanonenimperium errichten. Auch wenn die Welt nie so einfach tickt: Der französische Visionär hat vor mehr als hundert Jahren eine Grundfrage zivilisierter Gesellschaften aufgeworfen. Wie gehen die Reichen und die Superreichen mit ihrem Geld um – und der Verantwortung, die ein so großes Vermögen mit sich bringt?

Not macht erfinderisch, sagt man. Aber noch viel mehr Erfindergeist und Fantasie verlangt die Verwaltung von Reichtum. Es klingt in der Tat wie ein Science-Fiction-Szenario, was sich kürzlich bei einem Dinner in New York abgespielt hat. Vierzig amerikanische Milliardäre erklärten, dass sie wenigstens die Hälfte ihres Portfolios für humanitäre Zwecke spenden. Allein der Investor Warren Buffett gibt über 30 Milliarden Dollar an die Stiftung von Bill und Melinda Gates. Buffett will – eine einzigartige Selbstverpflichtung! – 99 Prozent seines Vermögens zu Lebzeiten zur Verfügung stellen. Vielleicht macht Geld doch glücklich. Wenn man das Format hat, es zu verschenken. Wenn man sich nicht damit einbunkert, wie Dagobert Duck und die Discounterkönige Albrecht.

Freigiebigkeit, Moral und Verantwortungsgefühl sind keine Frage des Alters. Buffett ist 75, Gates 55. Auch Bill Clinton hat eine bedeutende, weltweit operierende Stiftung ins Leben gerufen. Diese Männer, so beispiellos ihr Engagement erscheint, stehen in einer langen amerikanischen Tradition. Es war der Großindustrielle und Philanthrop Andrew Carnegie, der die knackige Losung ausgegeben hat: „Der Mann, der reich stirbt, stirbt in Schande.“ Motivforschung kann dabei zweitrangig bleiben. Ob Carnegie und Co. ihr Geld auf saubere Art vermehrt haben, ob ein Damaskus-Erlebnis sie zur Umkehr brachte oder sie sich mit philanthropischen Projekten einen Platz in der Geschichte und im Himmel sichern wollen, tut wenig zur Sache.

Entscheidend ist die Tat. Die Gates-Stiftung schöpft aus einem Vermögen von 60 Milliarden Dollar, sie wirft ihre Mittel in den Kampf gegen Aids, Tuberkulose und Malaria und unterstützt Bildungsprogramme in den USA. In Deutschland machen solche Summen erst einmal Angst. Zu viel Macht in privaten Händen, und überdies dürfe man den Staat mit Stiftungen und Spenden nicht aus der Verantwortung entlassen. So weit aber sind wir in der Bundesrepublik noch lange nicht. Hierzulande arbeiten rund 17 000 Stiftungen, Tendenz steigend. Auf den ersten Blick beeindruckt die Zahl, sie relativiert sich allerdings erheblich, wenn man das Gesamtvolumen sämtlicher deutscher Stiftungen betrachtet: Es wird auf rund 100 Milliarden Euro geschätzt, gerade doppelt so viel wie das Vermögen, das die Gates-Stiftung zusammengebracht hat. Und der Club der spendenfreudigen US-Milliardäre hat sich ja erst gegründet.

Dass Eigentum verpflichtet, steht bei uns im Grundgesetz. Aber wozu? Wann und wie wird der Artikel je umgesetzt? Es ist wunderbar, in Deutschland richtig reich zu sein. Der Staat kommt einem steuerlich überall entgegen, die Erbschaftsteuer ist – verglichen mit den USA – läppisch, eine Reichen- oder Vermögensteuer politisch nicht gewollt. Zehn Prozent der Deutschen besitzen fast zwei Drittel aller Vermögenswerte des Landes. Bei Jules Verne übrigens gewinnt der Gute. Der Geizige geht an seinen Machenschaften zugrunde.

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