Meinung : Stoibers Stern sinkt Von Cordula Eubel

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Mit dem triumphalen Empfang der Kanzlerkandidatin hat die CSU auf ihrem Parteitag eines deutlich gemacht: Die Bayern haben Angela Merkel als Kanzlerkandidatin anerkannt. CSUChef Edmund Stoiber, der seine Niederlage bei den Bundestagswahlen 2002 noch nicht verwunden hat, ist auch in Bayern nicht mehr der heimliche Kandidat. Dass die CSU-Delegierten Merkel begeistert gefeiert haben, hat mehrere Gründe: Die Christsozialen wollen den Regierungswechsel in Berlin, und sie brauchen ihn. An der Basis erhofft man sich in Zukunft von einer Unionsregierung Rückenwind aus Berlin, 2008 stehen schließlich in Bayern Landtagswahlen bevor. Sollte der Regierungswechsel in diesem Herbst nicht gelingen, würden auch die Spitzenpolitiker der CSU nicht profitieren. Nicht zuletzt, weil es in der Union so schnell keinen Kanzlerkandidaten mehr aus den Reihen der CSU geben wird.

In den letzten 14 Tagen bis zur Wahl werden die CSU-Wahlkämpfer aber auch deshalb alles geben, weil sie für ihren Einfluss in Berlin kämpfen. Schneidet die CSU besser ab als die FDP, kann sie größeren Einfluss in der Bundespolitik geltend machen. Bei aller Euphorie auf diesem Parteitag: Einer hat einen leichten Dämpfer verpasst bekommen – Edmund Stoiber. Bei seiner Wiederwahl zum Parteivorsitzenden erreichte er zwar ein respektables Ergebnis. Doch die Zustimmung ist nicht so groß, wie sie scheint: Zahlreiche Delegierte gaben ungültige Stimmzettel ab oder verließen den Raum. Dass so etwas trotz der unmittelbar bevorstehenden Wahlen passiert, ist ein Signal der Basis an den CSU-Vorsitzenden. Die Parteimitglieder geben ihm nicht unbegrenzte Freiheit. Stoiber muss entscheiden, was er will – in die Bundespolitik wechseln oder in Bayern bleiben. Lange hat er nicht mehr Zeit.

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