Meinung : Strafe ersetzt keine Therapie

Dennis, das Crash-Kid: Die Justiz ist bei Serientätern ratlos

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Von Gerhard Mauz

RECHTSWEGE

Für die einen personifiziert er die Unmöglichkeit, einem Menschen zu helfen. Für die anderen macht er die Fehler sichtbar, die den Versuch scheitern lassen können, einem Menschen bei der Umkehr beizustehen.

Zunächst muss der 23 Jahre alte Dennis für drei Jahre in den Strafvollzug. Zu der nun verhängten Haftstrafe kommt eine, die das CrashKid sich schon früher, mit gerade 13 Jahren, zuzog. In Polen zu fast vier Jahren Haft wegen Autodiebstählen verurteilt, wurde er von den Nachbarn so hastig abgeschoben, dass man ihm hier Bewährung zugestehen musste. Doch die vertat er unverzüglich. Dass er dreizehnjährig einen Unfall verursacht hatte, bei dem an seiner Seite ein Gleichaltriger ums Leben kam, hat ihn leider auch nicht vorsichtiger werden lassen.

Eine Gefahr für sich – und andere

Man hat sich große Mühe mit ihm gegeben. Man schickte ihn auf „erlebnispädagogische Reisen". Nach Finnland, Schweden, Dänemark und Neuseeland – so, als gelte es, Aktivität abzuschöpfen. Doch auch auf diesen Reisen wurde er rückfällig. Man müsse ihn therapieren, fordert sein Verteidiger, der Rechtsanwalt Ronald Westphal.

Vorsätzliche Gefährdung des Straßenverkehrs. Diebstahl, Fahren ohne Fahrerlaubnis – deswegen ist Dennis nun zu einem Jahr und acht Monaten Freiheitsstrafe verurteilt worden.

Dass am 28. September dieses Jahres zuletzt nur der Wagen kaputt war, ist ein Glücksfall gewesen. Einmal konnte ein Passant gerade noch zur Seite springen. Mit mehr als 100 Kilometern raste er durch die Stadt. Zwei Polizeisperren überwand er. Doch es genügt in der Tat nicht, zu bestrafen. Es muss therapiert werden.

Eine Therapie ist kein Wundermittel. Sie kann auf dem Weg zu dem, was wir für gerecht oder wenigstens für rechtens halten, einen Menschen nicht ändern. Aber sie kann ihm bewusst machen, dass er jetzt, erwachsen geworden, für alles verantwortlich ist, was er tut, ohne dass dabei eine Rolle spielt, was ihm auf dem Weg zu diesem Erwachsensein nicht zuwuchs, was ihm nicht zugänglich gemacht wurde.

Es ist schrecklich wenig, was wir tun können auf dem Weg zu dem, was wir für gerecht oder wenigstens für rechtens halten.

Gerhard Mauz ist Autor des „Spiegel“. Foto: Dirk Reinartz

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