Streik am Frankfurter Flughafen : Egoisten am Werk

Eine Spartengewerkschaft legt einen ganzen Flughafen lahm. Der Gesetzgeber muss endlich eine Grenze ziehen, wenn die Egoisten überziehen.

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Foto: dpad

Das Gezerre um mehr Geld ist zäh und langwierig. Zum Beispiel in der Metallindustrie. Nach ein paar Wochen Diskussion hat die IG Metall nun eine Forderung beschlossen. Im März beginnen die Verhandlungen, Ende April wird gestreikt, und Mitte Mai gibt es einen Abschluss. Gut Ding will Weile haben. Und tatsächlich muss der Tarifkompromiss dann für mehr als drei Millionen Beschäftigte passen: von der kleinen Elektrobude über den mittelständischen Maschinenbauer bis hin zum Daimler. Und er wird passen, denn die Tarifparteien nehmen Rücksicht auf die ganze Bandbreite der Industrie. Schön, dass es die IG Metall gibt. Aber brauchen wir die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF)? Was ist das für eine Arbeitnehmervertretung, die für 200 Leute eine Einkommenserhöhung um 50 Prozent erpressen will und dabei einen Konzern mit insgesamt 20 000 Mitarbeitern beschädigt?

Die Gewerkschaft der Flugsicherung ist noch ziemlich jung, denn bis 1992 wurde die Flugsicherung als Bundesbehörde mit Beamten organisiert. In den Jubeljahren der Privatisierung und Liberalisierung änderte sich das. Später ließen sich die Kollegen der Flugsicherung von der Deutschen Angestelltengewerkschaft in Tarifangelegenheiten vertreten; als die aber vor gut zehn Jahren in Verdi aufging, endete die Kooperation.

Und so wurden aus den Beamten der Flugsicherung nach und nach Arbeitskämpfer. Eigensüchtig, borniert, maßlos – das mag alles zutreffen, wenn eine Spartengewerkschaft ihre ganz speziellen Interessen durchsetzt. Erlaubt ist es trotzdem. Es begann 2001 mit der Pilotenvereinigung Cockpit, später kamen die Ärzte des Marburger Bundes und die Lokführergewerkschaft hinzu. Wer weiß, wer nach der GdF demnächst auch noch sein eigenes tarifpolitisches Süppchen kocht. Der Erfolg macht auch andere hungrig. Vielleicht die Anästhesisten im Krankenhaus? Oder die angestellten Lehrer? Oder ein paar Mann von der Betriebsfeuerwehr, die einen ganzen Industriekomplex stilllegen? Kann schon sein, muss aber nicht. Bisher ist Deutschland weit weg von einer Streikrepublik, wie sie von den Arbeitgebern herbeifantasiert wird. Und doch muss womöglich der Gesetzgeber eine Grenze ziehen, wenn die Egoisten überziehen.

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