Streik der Lokführer : Aufs Gleis gesetzt

Schon wieder Ärger auf der Bahn. Man mag sich gar nicht vorstellen, dass der bevorstehende Lokführerstreik ähnliche Ausmaße annimmt wie 2007/2008 – 355 Tage. Eine schwere Zeit für Bahnfahrer. Und nun? Die aktuelle Auseinandersetzung ist mindestens so kompliziert wie damals, als es der Lokführergewerkschaft um einen eigenen Tarifvertrag ging; eine neue Gewerkschaft mischte die Szene auf. Heute will die GDL einen Branchentarif, der den Bahnkonzern ebenso umfasst wie die privaten Unternehmen im Güter- und Personenverkehr. Das ist schwierig, weil die Ausgangsbedingungen so unterschiedlich sind. Und doch gibt es eine Parallele: Heute wie damals verbünden sich Arbeitgeber und GDL-Konkurrenten gegen die Lokführer. Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG hat sich bereits mit den Arbeitgebern geeinigt – und die Arbeitgeber wollen nun das Ergebnis dieser Einigung mehr oder weniger auf die GDL übertragen. Für die ist das unvorstellbar, schließlich hat man nicht 355 Tage für die tarifpolitische Eigenständigkeit gekämpft, um drei Jahre später wieder darauf zu verzichten. Die Arbeitgeber haben das zu berücksichtigen. Und wer mit dem Argument der Tarifeinheit – ein Betrieb, ein Tarifvertrag – die Lokführer kritisieren will, der schaue zuvor ins Grundgesetz: Jede Berufsgruppe darf ihre Interessen selbst vertreten.alf

Seiten 1, 7 und 15

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