Streik der Straßenbahnfahrer : Verrannt, verzockt

Streikführer Bäsler hat alles falsch gemacht, was man falsch machen konnte. Ja, unsere Fahrgäste sind uns egal. Das ist das klare Signal der BVG-Mitarbeiter, die in Berlin ohne jegliche Vorwarnung die Straßenbahnen in den Betriebshöfen ließen.

Gerd Nowakowski

In der teilungssensiblen Stadt ist auch das ein Zeichen, weil die Tram vor allem im Ostteil fährt. Es waren vor allem Ost-Berliner, die frühmorgens auf dem Weg zur Arbeit strandeten. Sympathien erwirbt man sich so nicht. Aber die Verdi-Funktionäre haben schon mehrfach deutlich gemacht, dass ihnen die Unterstützung durch die Berliner egal ist. Schon zu Beginn des Tarifkonflikts wurde die Stadt ohne Vorwarnung von einem zweitägigen Streik überrollt. Deswegen wird niemand den heuchlerischen Beteuerungen der Gewerkschafter glauben, die 750 Tramfahrer seien gestern ganz von selbst und ganz spontan darauf gekommen, ihren Dienst nicht aufzunehmen.

Mit dem Verstoß gegen die Friedenspflicht während der laufenden Verhandlungen hat Verdi endgültig überzogen: Solchen Verhandlungen ist die Basis entzogen, wenn sich der Partner betrogen fühlen muss. Verdi braucht sich nicht zu wundern, dass nun auch der Arbeitgeber sich nicht mehr an sein deutlich verbessertes Angebot gebunden fühlt.

Verdi hat sich verrannt – angestachelt von den unrealistischen Versprechungen an die eigenen Mitglieder, getrieben von der radikalen Konkurrenz mit der Lokführergewerkschaft GDL. Alle Angebote der Arbeitgeber zielen darauf, vor allem die Einkommen der nach 2005 eingestellten und deutlich schlechter bezahlten BVG-Mitarbeiter zu erhöhen. Organisiert bei Verdi sind aber vor allem die besser gestellten BVG-Altbeschäftigten. Sie haben trotz Streikgeld durch den zweiwöchigen Ausstand erhebliche Einbußen hinnehmen müssen – ohne dass sich das nun für sie auszahlt. Verrannt, überzogen, verzockt: BVG-Streikführer Frank Bäsler hat alles falsch gemacht, was man falsch machen konnte. Das Drama ist, dass die Verdi-Spitze ihn gewähren ließ. Der Schaden reicht weit über die BVG hinaus. Die Berliner Landesregierung muss nun erst recht auf die bis Ende 2009 gültigen Tarifverträge für den öffentlichen Dienst pochen. Die hat Verdi-Chef Bsirske ausgehandelt. Nun geht es auch um seine Glaubwürdigkeit.

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