Streiks in Griechenland : Realitätsverlust

Manchmal meint man, Griechenland liege auf einem anderen Stern. Die Griechen haben jedes Recht, mit Streiks gegen die Sparpolitik der Regierung zu demonstrieren. Die Angst um Arbeitsplätze und Einkommen ist verständlich. Aber manche Kommentare zeugen von einem völligen Realitätsverlust. Der Internationale Währungsfonds wolle Griechenland „in die Ära von Charles Dickens“ zurückversetzen, empört sich ein Moderator im Rundfunksender Skai. Griechenlands Kommunisten sprechen von „mittelalterlichen Zuständen“. Und Spyros Papaspyrou, Chef der Beamtengewerkschaft Adedy, beklagt die „völlige Zerschlagung der Sozialversicherung und des Arbeitsrechts“ – weil die griechischen Staatsbediensteten künftig statt mit Mitte 50 erst mit 65 in Pension gehen sollen? Weil die Ruhegelder, die bisher 96 Prozent des letzten Gehalts ausmachen, gekürzt werden? Weil es künftig keine Prämie mehr geben soll, wenn ein Staatsdiener pünktlich zur Arbeit erscheint oder einen PC bedienen kann? Griechenlands Gewerkschafter sollten die Kirche im Dorf lassen. Mit dem Sparprogramm werden die Rentenregelungen lediglich dem angenähert, was in den meisten Ländern Europas gilt. Wichtiger noch: Sie werden der Leistungsfähigkeit der griechischen Volkswirtschaft angepasst. öhl.

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