Meinung : Streit für die Galerie

VERHANDLUNGEN ÜBER NEUE IRAK-RESOLUTION

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Wetten dass? Ganz schnell, vielleicht schon in einer Woche, wird der Sicherheitsrat eine weitere IrakResolution verabschieden. Unmöglich, rufen die Zweifler, die jeden Dissens für bare Münze nehmen. Aber positionieren sich nicht gerade Frankreich, Russland und Deutschland wieder vehement gegen die USA? Ach was! Sie tun nur so. Es ist ein Streit für die Galerie. Im Prinzip sind sich alle einig. Amerika behält die militärische Oberherrschaft. Die politische Verantwortung wird möglichst rasch in irakische Hände gelegt. Den USA wird nicht die Macht über die Zivilverwaltung genommen, aber den UN eine zentrale Rolle eingeräumt. Gefeilscht wird bloß noch um Nuancen der Resolution. Aber weshalb wird dann ein Krach inszeniert? Damit der Eindruck entsteht, den USA seien in harten Verhandlungen substanzielle Zugeständnisse abgetrotzt worden. Das ist aus zwei Gründen wichtig. Zum einen verleiht es der Besatzung in der allgemeinen Wahrnehmung ein höheres Maß an Legitimität. Zum anderen befriedigt es die Erwartungen der europäischen Öffentlichkeit. Für Deutschland heißt das: Wenn wir glauben, dass die Amerikaner auch durch uns im Sicherheitsrat weich geklopft wurden, sind wir bereit, über Schuldenerlass und Hermes-Bürgschaften zu reden. Das sollen wir glauben. Ob es stimmt, ist Nebensache. Auf Regierungsebene sind die transatlantischen Beziehungen längst repariert. Jetzt muss der Kanzler nur noch seine Anhänger vom Nutzen der Versöhnung überzeugen. mal

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