Streit um Bebauung : Beim Tempelhofer Feld wird das Volk überhört

Die Auseinandersetzung um den Bau von 4500 Wohnungen am Rande des Feldes nimmt an Schärfe zu. Doch das ehemalige Flughafengelände soll bebaut werden - denn in Berlin herrscht Wohnungsnot. Denkt Wowereit an sein politisches Erbe?

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Bebauungspläne für das Tempelhofer Feld
Bebauungspläne für das Tempelhofer FeldFoto: dpa

Sie schleudern Steine gegen einen Pavillon auf dem Tempelhofer Feld, rangeln mit Bediensteten der Firma, die hier Wohnhäuser plant – Randale fast schon wie in Kreuzberg oder an den Spreeufern Friedrichshains. Ist es das letzte Aufbäumen einer Handvoll Aktivisten, die die Augen verschließt vor den Nöten der wachsenden Stadt Berlin, die dringend zusätzlichen Wohnraum braucht?

Wenn es doch so einfach wäre. Die Auseinandersetzung um den Bau von 4500 Wohnungen am Rande des Feldes nimmt in dem Maße an Schärfe zu, in dem der Senat bei deren Planung aufs Tempo drückt. Damit überrumpelt der Bausenator nicht nur ein paar Kreuzköllner Urgewächse, auch die Naturschutzverbände beklagen in einem Protestbrief, der Senat „missbrauche“ sie bei der Anhörung. Es sei nie „ergebnisoffen“ über die Pläne diskutiert worden. Sogar beim Koalitionspartner CDU sagen viele, dass die ungelenke Kommunikation nicht nur die Protestprofis gegen den Senat aufbringe, sondern auch die Gärtner, Sportler und anderen Nutzer des Feldes, die die Flugfeldbrache täglich in einen fast schon mythischen Ort der Freiheit und Freizeit verwandeln.

Aber warum überhört ein politischer Profi wie Bausenator Michael Müller die Signale des Volkes? Weil das hier geplante „Wohn- und Bildungsquartier Tempelhof“ das strahlende politische Erbe seiner Amtszeit und der des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit (SPD) werden soll. Beide kommen aus dem Bezirk Tempelhof-Schöneberg. Wowereit verteidigt den Bau der Zentral- und Landesbibliothek am Rande des Feldes gegen massive Widerstände der eigenen Parteigänger und allen Sparzwängen zum Trotz. Müller sekundiert ihm mit Neubauten. Bildung für alle und Wohnungen dazu, da ist der sozialdemokratische Auftrag fast schon erfüllt. Was aber nützt das Versprechen von Glück, wenn das Volk es – jedenfalls so – nicht will?

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