Streit um Betreuungsgeld : Der gute Schein

Von Rainer Woratschka

Im großen Streit um die Notwendigkeit von mehr Krippenplätzen erscheint die Idee als idealer Kompromiss. Mit Betreuungsgutscheinen ließe sich zweierlei erreichen: ein Rechtsanspruch auf Kleinkindbetreuung und – dennoch – mehr Wahlfreiheit für Eltern. Man müsste nicht mehr befürchten, dass an der Entwicklung ihrer Kinder wenig interessierte Väter und Mütter ein irgend geartetes Betreuungsgeld für zu Hause Erziehende, wie es Unionskonservative fordern, in neue Flachbildfernseher stecken. Und in den Kitas täte sich womöglich endlich was in Sachen Qualität, Flexibilität und Transparenz. Wenn die Träger das Geld nicht mehr nur nach dem Kriterium vorgehaltener Plätze erhielten, sondern auch danach, wie viele Eltern sich für sie entscheiden, würde das die bisher so starre Kita-Landschaft schnell und wundersam verändern. Das finge bei den Öffnungszeiten an und hörte bei den Bildungsangeboten auf.

Für Eltern und Kinder wäre es ein Segen. Ohnehin haben viele den Eindruck, dass der Streit sich längst auf das bloße Finanzierungsproblem konzentriert – und auf Ideologien. Dabei sollte aber der Dreh- und Angelpunkt nicht aus den Augen geraten: Wahlfreiheit. Das bezieht sich, ganz klar, auf Eltern, die schnell wieder in den Job möchten und dringend mehr Kinderkrippen benötigen. Es muss sich aber auch auf jene beziehen, die der Meinung sind, dass professionell nicht unbedingt besser bedeutet oder dass ihre Kinder etwas mehr Nestwärme benötigen.

Das bedeutet nicht, dass der Staat dies belohnen sollte. Wenn er es tut, vergibt er fahrlässig Einflussmöglichkeiten auf ein gewisses Erziehungsniveau. Umgekehrt darf er die bewusst zu Hause Erziehenden aber auch nicht unter Rechtfertigungsdruck setzen. Oder sie materiell bestrafen, wie dies bei Kindergeldkürzungen der Fall wäre. Schließlich – so ehrlich sollten alle sein – geht es bei der Krippenausbau-Forderung nicht nur um berechtigtes Eltern-, sondern immer auch um knallhartes Wirtschaftsinteresse: Je verfügbarer und größer das Arbeitskräftereservoir, desto besser lassen sich Löhne drücken und Beschäftigungsbedingungen diktieren.

Wir brauchen mehr Kinderkrippen, so oder so. Aber in diesen Krippen sollte es dann weniger ums Verwahren und viel mehr ums Fördern gehen. Ein Gutscheinsystem würde die Qualität erhöhen. Und wer lieber zu Hause erzieht, käme damit an Tagesmütter und zusätzliche Bildungsangebote. Salomonischer geht es kaum.

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