Streit um Jet-Abschuss : Die Türkei riskiert ihre Glaubwürdigkeit

11.07.2012 00:00 Uhrvon
Der türkische Ministerpräsident Erdogan. Foto: dapd
Der türkische Ministerpräsident Erdogan. - Foto: dapd

Wo wurde der türkische Jet von den Syrern abgeschossen? Wer an der offiziellen Version der türkischen Regierung zweifelt, gilt schnell als Vaterlandsverräter. Die Regierung Erdogan versucht, ihre Kritiker mundtot zu machen.

Im Streit zwischen den Nachbarn Türkei und Syrien über den Abschuss des türkischen Militärjets Ende Juni geht es nicht nur darum, wer die Verantwortung für den tödlichen Zwischenfall trägt und ob die Maschine im internationalen Luftraum oder auf syrischem Gebiet getroffen wurde. Es geht auch darum, wem man eher glauben kann. Der Wert der Währung Glaubwürdigkeit steigt vor allem in Zeiten von Krisen und Spannungen.

Fotostrecke: Syrien schießt türkischen Kampfjet ab

Wenn sich die Assad-Diktatur im Streit um den Abschuss der Desinformation bedient, wird das niemanden wundern. Doch die Türkei sollte sich vor solchen Versuchen hüten. Denn sie riskiert viel mehr als Syrien: eine Beschädigung ihres Ansehens als Regionalmacht und als verlässlicher Akteur auf der internationalen Bühne. Dass in der Türkei überhaupt darüber gestritten wird, ob die Regierung mit ihrer Version eines Abschusses im internationalen Luftraum richtig lag, sollte eigentlich ein Grund zur Freude für das Land sein: Jenseits der Grenze, in Syrien, wird in der Öffentlichkeit nicht gestritten, dort sind keine Medien erlaubt, die herausfinden wollen, ob ihre Regierung nun wirklich die Wahrheit sagt oder nicht.

Doch statt Freude über demokratische Errungenschaften gibt es in Ankara leider Anzeichen dafür, dass die Regierung keine kritischen Fragen zu ihrer Position im Abschuss-Streit hinnehmen will. Vize-Premier Bülent Arinc rief die Medien des Landes auf, nicht darüber zu spekulieren, ob die Maschine nun innerhalb oder außerhalb des syrischen Luftraums getroffen wurde. Die Stellungnahmen der türkischen Behörden seien schließlich eindeutig. Presse und Fernsehen sollten „nicht mit ausländischer Desinformationen“ arbeiten, warnte Arinc, der in der Regierung für Medienfragen zuständig ist und auch als Regierungssprecher fungiert.

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Unser/e Leser/in blinder meint zum Artikel: Besuch im Reichstag bleibt umständlich:
Da von den aktuell 620 Abgeordneten bei den Sitzungen sowieso nur 20% anwesend sind, bleiben fast fünfhundert Sitze unbelegt. Hier könnte man doch die wartenden Besucher nach der obligatorischen Einlasskontrolle "zwischenparken".
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