Streit um Pisa-Koordinator : Erst wissen, dann meinen

Über Pisa lässt sich streiten. Jeder zieht aus der Studie das heraus, was er hören will. Doch sollte die Diskussion um die Zukunft der Schüler gänzlich politikfrei geführt werden.

Was sagt uns Pisa? Jedem das, was er hören will. Wann immer die Schulstudie veröffentlicht wird, hebt in den Medien ein großes Konzert der Stimmen an. Jede Interessengruppe nimmt die Untersuchung für ihre Ziele in Anspruch. Politiker fühlen sich durch die Ergebnisse in ihren Anstrengungen bestätigt, Lehrergewerkschaften verlangen mehr Personal, linke Verbände fordern bessere Chancen für bildungsferne Kinder, rechte betonen, dass Leistung sich wieder lohnen muss. Auch Andreas Schleicher, der OECD-Bildungskoordinator, sagt seine Meinung zu den unter seiner Obhut erstellten Statistiken und zu den politischen Konsequenzen, die er aus ihnen ableitet. Das ist sein gutes Recht. Es ehrt ihn sogar, dass er sich nicht unter dem Vorwand vermeintlicher Neutralität vor Konflikten drückt. Wissenschaft findet nicht im politikfreien Raum statt. Ein Foul im Wettkampf der Meinungen begeht Schleicher aber, wenn er die Studie schon vor ihrem offiziellen Erscheinen kommentiert, um die Deutungshoheit zu ergattern. Wegen seiner Position hätte er seinen Informationsvorsprung nicht ausspielen dürfen. Zu Recht ärgern sich die Kultusminister. Denn Schleicher will den Deutschen keine besseren Ergebnisse gönnen, solange sie das dreigliedrige Schulsystem nicht abgeschafft haben. An diesem Punkt erstarrt seine oft berechtigte Kritik aber zum Ritual. akü

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