Meinung : Stresstest Kernenergie

„Kernenergie bleibt notwendig“

vom 31. März

Flach die Analyse der Katastrophe in Japan, die nicht tiefer reicht als zur Feststellung, Deutschland sei ja nicht betroffen, weil ein Tsunami hier ausgeschlossen sei.

Phantasielos, angesichts der Einsparpotentiale (Ingenieure können das „Ein-Liter Auto“ bauen (vgl. Tagesspiegel 18.3.2011), das „Plusenergiehaus“, das netto Strom in die Netze einspeisen kann, ist Realität.

Die Schlussfolgerung aus dem Anstieg des Energieverbrauchs in den letzten Jahren, es müsse auch künftig mehr Strom produziert werden.

Daher unbegründet und vor dem Hintergrund von Fukushima für alle sichtbar unverantwortlich die Behauptung, Kernenergie bleibe notwendig. Herr Krahmer und mit ihm alle Entscheidungsträger mögen bedenken, dass die wirklichen Schulden, die die letzten drei Generationen allen künftigen hinterlassen, die realen, nicht rückholbaren Umweltschäden sind.

Dr. Martin Kaupenjohann,

Berlin-Frohnau

„Politik sollte auf Fakten aufgebaut sein, nicht auf Schlagzeilen“, schreibt Herr Krahmer und erweckt den Eindruck, die Wahrheit für sich gepachtet zu haben. Der Text enthält jedoch eine Reihe von Falschaussagen und klammert den Diskussionsstand, wie die angesprochenen Probleme auch ohne Atomkraft gelöst werden können, völlig aus.

Herr Krahmer unternimmt den Versuch, die Themen Klimaschutz und Atomausstieg gegeneinander auszuspielen. Seit mindestens 25 Jahren ist klar, dass wir sowohl aus der Atomenergienutzung als auch aus der Nutzung fossiler Energiequellen aussteigen müssen und dass dies mit Energieeinsparung, Energieeffizienz und der Nutzung erneuerbarer Energien möglich ist. Er scheint die Studien nicht zu kennen, die seit den 80-er Jahren erstellt wurden und zeigen, dass genau dies möglich ist.

Vertreter der Erneuerbaren Energien halten angesichts der zuletzt entwickelten Dynamik dieses Sektors eine Vollversorgung mit erneuerbaren Energiequellen bis zum Jahr 2030 für möglich. Die Bundesregierung bremst und will im Energiekonzept nur 80 Prozent CO2-Reduzierung bis 2050, und das noch mit der höchst fragwürdigen CO2-Abscheidung und Verpressung (CCS). Dies beleuchtet aber nur das fehlende Wollen der Bundesregierung und nicht das Können der Energieeffizienz und der Erneuerbaren Energien.

Obwohl schon die Fakten eindeutig gegen die Atomkraftnutzung sprechen: Super-GAU in Tschernobyl, 4-facher Super-GAU in Fukushima, Harrisburg, Sellafield, Forsmark, Asse und ungelöste Endlagerung, sollte Politik vor allem auf der Wahrnehmung von Verantwortung aufgebaut sein. Politikern, die die Bevölkerungen ihrer Länder einem unkalkulierbaren Risiko der Verstrahlung und künftigen Generationen den strahlenden Hinterlassenschaften aussetzen, halte ich für verantwortungslos. Diese Menschen gehören abgewählt und genau das ist in Baden-Würtemberg und Rheinland-Pfalz passiert. Nicht Japan ist Schuld an dem Debakel, wie Herr Strobl und andere schwarz-gelbe Politiker mit unfassbarer Ignoranz öffentlich erklären, sondern genau diese Politiker, die auf diese nicht verantwortbare Technologie setzen. Das muss auch nicht erst eine Ethik-Kommission klären, sondern das kann jeder für sich. Dazu reicht bereits der gesunde Menschenverstand. Dies belegen eine Viertelmillion Demonstranten am Wochenende sowie Millionen, die bereits ihren privaten Atomstrom-Ausstieg durch einen Wechsel des Stromanbieters vollzogen haben, die aus Verantwortung für ihre Mitmenschen und die zukünftigen Generationen sich in Umweltorganisationen engagieren oder in Unternehmen arbeiten, die die Nutzung erneuerbarer Energien vorantreiben.

Hartmut Oswald,

Berlin-Charlottenburg

Herr Krahmer argumentiert scheinbar mit zwingender Logik für die Beibehaltung der Atomkraft zur Energieversorgung und führt die Fakten dazu an. Allerdings vergisst er dabei einen wesentlichen Punkt zu erwähnen: Der Verbleib des Atommülls ist weltweit nicht geklärt.

Für viele Menschen ist es aber undenkbar, unseren Nachkommen für Jahrtausende Probleme zu hinterlassen, deren Umfang wir heutzutage auch durch Anwendung von Logik nicht einschätzen können.

Jürgen Petsch, Berlin-Zehlendorf

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben