Strippenzieher in Pakistan : „Ein großartiger Tag für die Demokratie“

Asif Ali Zadari ist ein möglicher Kandidat für das Präsidentenamt in Pakistan nach dem Rücktritt Pervez Musharrafs.

Ruth Ciesinger

Noch im Dezember war Asif Ali Zardari ein politisches Nichts. Ein Krimineller von Vorgestern, der kaum wagte, in die Heimat Pakistan zurückzukehren, weil ihm dort erneut ein Prozess wegen Korruption drohte. Jetzt will die Pakistanische Volkspartei (PPP) den früheren Minister und „Mister zehn Prozent“ zum potenziellen Nachfolger von Ex-Präsident Pervez Musharraf ausrufen.

Zardari, offiziell PPP-Vizechef unter seinem und Benazir Bhuttos 19-jährigem Sohn Bilawal, wurde nach dem Mord an seiner Frau in kometenhafter Schnelligkeit zum eigentlichen Parteivorsitzenden und mächtigsten Strippenzieher in Pakistans Politik. Zum Erstaunen vieler Pakistaner und zum Entsetzen sogar mancher PPP-Mitglieder, Benazirs Mutter sprach von einem „Desaster“. Zardari gilt als korrupt, saß Jahre in Haft, selbst Anstiftung zum Mord wird ihm vorgeworfen, manche halten ihn für schuldig am Tod eines Schwagers.

Dass seine Präsidentschaft noch keine klare Sache ist, hat trotzdem andere Gründe. Einmal sprechen Pläne der – inzwischen allerdings sehr brüchigen – Koalition aus PPP und PML-N von Ex-Premier Nawaz Sharif dagegen. Sie wollte ursprünglich die Kompetenzen des Präsidenten, darunter das Recht zur Parlamentsauflösung, stark beschränken. Ein zahnloses Amt neben einem starken Premier dürfte Zardari aber nicht interessieren. Und hat er dennoch Pläne, wird sie sein politischer Rivale Nawaz Sharif kaum unterstützen.

Sharif versucht sich jetzt als wahrer Retter der Demokratie in Pakistan zu profilieren. Weil er immer für ein Amtsenthebungsverfahren gegen den von ihm gehassten Musharraf eingetreten ist, und weil er ohne Wenn und Aber die Richter, die Musharraf während des Ausnahmezustandes im November entließ, alle wieder einsetzen will. Davor schreckt Zardari aber schon seit Monaten zurück, weil er das Ende einer für ihn installierten Amnestie fürchtet. Jetzt hat Nawaz Sharif der PPP ein Ultimatum bis diesen Freitag gesetzt. Werden dann die Richter nicht wieder eingesetzt, droht die PML-N mit dem Gang in die Opposition.

Vermutlich spekuliert Sharif dabei auf Neuwahlen, bei denen seine Partei aufgrund des Wackelkurses der PPP in den vergangenen Monaten in Sachen Musharraf und Richter deutlich besser abschneiden könnte als noch im Februar. Zardari wiederum umwirbt jetzt die kleineren Parteien, um sich so weiter die Regierung – und möglicherweise auch das Präsidentenamt – zu sichern. Ruth Ciesinger

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