Strompreise : Zu viel Energie

Deutschland produziert – auch nach dem Abschalten von acht Kernkraftwerken – zu viel, nicht zu wenig Strom. Insbesondere die Schwerindustrie jammert zu Unrecht über eine Explosion der Energiekosten.

Kevin Hoffmann

Der Strommarkt in Deutschland spielt völlig verrückt. Und das kann nicht lange gut gehen. Die jetzt vorgelegte Jahresbilanz des Energieverbandes zeigt, dass sich die Energiewende schneller und völlig anders vollzieht, als viele dachten: Dieses Land produziert – auch nach dem Abschalten von acht Kernkraftwerken – in der Summe zu viel, nicht zu wenig Strom. Wegen der vielen Windkraft- und Solaranlagen entstanden schon an 18 Tagen im Jahr 2012 negative Preise. Das bedeutet, dass Kraftwerksbetreiber ihren (Groß-)kunden sogar Geld zahlen mussten, damit diese Strom abnehmen. Immer mehr Strom wird regenerativ erzeugt, der Klimabilanz aber hilft das kaum. Denn das System sorgte dafür, dass zugleich mehr stinkende Kohle- und weniger saubere Gaskraftwerke produzierten. Die Zahlen belegen auch, dass die Schwerindustrie völlig zu Unrecht über eine Explosion der Stromkosten jammert. Die größten Stromfresser sind die vorläufigen Gewinner der Energiewende, während Privat- und Gewerbekunden, die nicht am Stromgroßmarkt kaufen können, die Verlierer sind. Der Staat muss also den Markt schnell stärker regulieren, um Kosten und Nutzen der Energiewende gerechter zu verteilen. Sonst werden die Bürger bald gegen ein grundsätzlich sinnvolles Projekt rebellieren. kph

Seiten 1 und 16

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